Christian Schreyer

Interview
Digitalisierung alleine löst nicht alle Probleme

Interview aus der ETR, Ausgabe 12/17

Christian Schreyer, Vorsitzender der Geschäftsführung der Transdev GmbH, sieht Effizienz-Defizite im System Bahn. Vom Baustellenmanagement bis zur Fahrzeugbeschaffung könnten viele Themen  preisgünstiger und reibungsloser gelöst werden, zum Wohle der Fahrgäste.

Wie sieht für Sie die Mobilität der Zukunft aus?

Durch die Digitalisierung sind neue Mobilitätsformen möglich, die ganz auf die Fahrgäste zugeschnitten werden können. Die Fahrgäste sind nicht mehr Captives, also Gefangene, des Fahrplans. Bisher hatten sie keine andere Wahl, als das ihnen angebotene öffentliche Verkehrsmittel – so wie man es ihnen anbietet – zu nutzen. Wenn sie sich nicht dem Fahrplan unterwerfen wollten, hatten sie bisher als  einzige Alternative nur das eigene Auto. Doch schon heute zeigt sich, dass der Fahrgast individuellere Angebote haben will. Immer mehr Portale vergleichen beispielsweise die Kosten von Carsharing-Autos, dem eigenen PKW oder Taxis mit denen des öffentlichen Verkehrs. Dies ist augenblicklich der Stand in Deutschland. Im Ausland gibt es schon viel weitergehende Entwicklungen. Dort kann man sich einen Uber- oder Lift-Fahrer bestellen und die Fahrt auch mit anderen teilen, wenn man preisgünstiger fahren will. Die Digitalisierung eröffnet neue Möglichkeiten, wie Transporte organisiert werden können. Der Fahrgast überlegt sich den günstigsten, den schnellsten oder den komfortabelsten Weg und sucht aus den Angeboten das aus, was am meisten gefällt. Das wird die Zukunft sein.

Hat Transdev in diesen Zukunftsfragen schon etwas unternommen?


International schon sehr viel. In Deutschland leider noch sehr wenig. Deutschland liegt bei den  Entwicklungen sehr weit zurück, weil wir hier noch das sehr strenge Personenbeförderungsgesetz haben, das viele Mobilitätsformen, die wir im Ausland finden, gar nicht zulässt. Transdev hat hingegen in anderen Ländern, beispielsweise mit BrengFlex ein System, mit dem wir Mitfahrgelegenheiten  organisieren, um die „letzte Meile“ zu überwinden. Breng- Flex ist in den Niederlanden sehr angesehen.
In Paris, Stockholm und in den USA bieten wir unter der Marke Supershuttle Sharedrive-Angebote zwischen Städten und Flughäfen an.
Hier kann man vorbuchen und sich ein Großraum-Taxi teilen, mit der Zusicherung, dass der Flug erreicht wird. Entsprechende Angebote entwickeln wir in Zusammenarbeit mit den Bestellern. Wir haben eine ganze Menge solcher Lösungen im Angebot.

Sie sagen, das Personenbeförderungsgesetz verhindere in Deutschland viele Innovationen. Gerade passiert doch viel von der Deutschen Bahn aus, mit autonomen Shuttles und Bussen beispielsweise.


Autonome Fahrzeuge haben wir bei Transdev schon deutlich mehr als die Deutsche Bahn. Im Gegensatz zur Deutschen Bahn fahren wir damit auch schon auf öffentlichen Straßen. In Kooperation mit Rouen sind wir gerade dabei, ein öffentliches Netz autonomer Fahrzeuge aufzubauen. Auch in den  USA betreiben wir schon sehr viele autonome Fahrzeuge, unter anderem auf Werksgeländen. Wir  planen so etwas auch in Deutschland. Doch autonomes Fahren stellt letztendlich noch kein neues Angebot für den Kunden dar. Zwar fällt der Fahrer weg, doch ersetzt ein autonomes Fahrzeug nur ein Fahrzeug, das sonst von einem Fahrer gefahren würde.
Wichtiger sind aus meiner Sicht die personalisierten Lösungen, durch die sehr genau auf die  Kundenwünsche eingegangen werden kann. Autonom ist nur eine andere Art des Fahrens.

Werden die zukünftigen Entwicklungen weltweit parallel laufen oder wird es verschiedene Entwicklungswege für Europa, Asien und Amerika geben?


Ich bin mir relativ sicher, dass es unterschiedliche Entwicklungswege geben wird. Die Technologie wird ähnlich sein, doch ihr Einsatz unterschiedlich. Dass die USA heute bei neuen Mobilitätsformen weiter als Deutschland ist, liegt auch daran, dass es dort in vielen Gegenden nur sehr unzureichenden öffentlichen Transport gibt. Je besser die öffentliche Transportinfrastruktur ausgebaut ist, desto weniger stark und weniger schnell werden sich neue Mobilitätsformen entwickeln.
In Ländern mit starker öffentlicher Infrastruktur wird es sehr viel arrondierende Lösungen geben, während in Asien und den USA der Mobilitätsbedarf hauptsächlich durch die neuen Mobilitätsformen abgedeckt werden wird. Deshalb wird es unterschiedliche Entwicklungsgeschwindigkeiten geben. Ein Faktor ist auch, wie stark die Mobilität in einem Land reguliert ist. In den USA steht ein...

Hier können Sie das vollständige Interview als pdf herunterladen.

(Das Gespräch führte Dagmar Rees.)