Peter Sutterlütti

Interview
Menschen oberirdisch, Güter unterirdisch

Interview aus der ETR, Ausgabe 3/17

Cargo Sous Terrain (CST) will den Güterverkehr in der Schweiz unterirdisch in Tunnel verlagern. Die erste Teilstrecke soll 2030 in Betrieb gehen. Peter Sutterlütti, Präsident des Fördervereins CST, beschreibt den Stand des Projektes.

1. Der Schweizer Bundesrat wird Ihr Vorhaben mit den notwendigen Gesetzesänderungen unterstützen, wenn Sie 100 Mio. CHF Investorengelder nachweisen, mindestens die Hälfte davon aus der Schweiz. Wie weit sind Sie?
Wir haben dieses Ziel noch nicht erreicht, sind aber auf einem guten Weg. Wir hatten den Verein 2013 gegründet mit dem Ziel, die Machbarkeit zu überprüfen. Die bisherigen Partner des Konsortiums mit einem Sitz im Vereinsvorstand haben wie geplant die Machbarkeitsabklärungen und Businesspläne von CST finanziert und gutgeheissen. Sie werden beim Übergang in die CST AG im Frühjahr 2017 Aktionäre der Aktiengesellschaft. Für die nun anstehenden Investitionen bis zur Erlangung der Baubewilligung der ersten CST-Teilstrecke (Härkingen/Niederbipp bis Zürich) ist CST gegenwärtig im Gespräch mit professionellen Investoren. Das Ziel ist, die Finanzierung der Phase Baubewilligung von 100 Mio. CHF bis Mitte 2017 sicherzustellen. Die Investitionszusagen erfolgen gekoppelt an das Inkrafttreten des CST-Gesetzes. Parallel dazu laufen auch Gespräche mit Interessenten, die künftig das CST-System betreiben wollen.
2. Einer der Investoren ist Hyperloop One. Wird man auf diese Technik zugreifen?
Hyperloop ist Hochgeschwindigkeit mit Geschwindigkeiten bis zu 1000 km/h. Wir dagegen arbeiten mit niedrigen Geschwindigkeiten von 30 km/h. Sicherlich ist eine Verbindung der Systeme interessant, Hochgeschwindigkeit für die langen Strecken, unser System für die Nahverteilung. Das gemeinsam definierte Ziel besteht in der Weiterentwicklung der Logistikkonzepte von CST und gegebenenfalls in einer Kooperation bei der technischen Realisierung. Die Felder der Zusammenarbeit erstrecken sich auf den Bau von Logistik-Tunneln, die Fahrzeugtechnologie und den -antrieb, die Steuerungs- und Betriebskonzepte sowie die City-Logistik zur Feinverteilung von Gütern in den Städten.
3. Wie funktioniert Ihr System? 
Cargo Sous Terrain ist ein Gesamtlogistiksystem, das von der Quelle zur Senke funktioniert. Das heißt, die Güter werden in großen Logistikzentren gesammelt und gehen dann in den Tunnel. Transportiert werden sie von Fahrzeugen, die jeweils 2 Paletten aufnehmen können. Diese Fahrzeuge sind geschlossen und gekühlt, haben Räder und einen eigenen elektrischen Antrieb. Sie verkehren im Tunnel wie auf einer Straße, aber im kontinuierlichen Verkehr, vollautomatisch gesteuert. Am Ende des Tunnels gibt es einen automatischen Umlader, der die Paletten auf oberirdische selbstfahrende Fahrzeuge verlädt, die dann die Güter in der Stadt verteilen. 
4. Die Fahrzeuge fahren auf Rädern. Wurden auch Schienen erwogen?
Natürlich haben wir zu Beginn alle Möglichkeiten des Führung geprüft. Die Entscheidung für die Räder und den Induktionsantrieb fiel mit Blick auf die Nutzer. Sie brauchen einen kontinuierlichen Verkehr. Dieser ist mit Zügen nicht so einfach zu erreichen, denn die Züge müssen zusammengestellt werden und sie brauchen eine eigene Lok. Außerdem muss es möglich sein, die Ladungen zu priorisieren, das heißt, dass einige Güter schneller am Ziel sein müssen als andere. Deshalb wird es drei Spuren geben. Auf zweien fließt der Hauptverkehr, die dritte wird genutzt, um bei Bedarf Wagen zu überholen oder Wagen zurückzuhalten oder zu verlangsamen. Wir brauchen diese Flexibilität. 
5. Wo wäre die erste Teilstrecke?
Wir haben ein Netz für die ganze Schweiz ausgearbeitet. Das erste Projekt ist zwischen Härkingen/Niederbipp und Zürich, also eine Strecke von 70 km. Die Tunnel haben einen Durchmesser von 6 m und werden je nach Topographie 20 bis 50 m unter der Erdoberfläche geführt. Diese erste Strecke zu bauen, wird rund 3 Mrd. CHF kosten. All dies mit privatem Kapital, staatliche Zuschüsse wird es nicht geben. Diese waren von Anfang an auch nicht eingeplant. 

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