Markus Hecht

Interview
Beitrag der Schiene zur ­Umsetzung der Ziele der Klimakonferenz in Paris

Standpunkt aus dem EI, Ausgabe 1/17

Ganz knapp vor der Konferenz COP22 in Marrakesch hat die Bundesregierung den Klimaschutzplan 2050 veröffentlicht. Darin werden erstmalig sehr strenge Ziele für den Verkehr genannt, um die Versprechungen der COP21 in Paris zu erfüllen, die Erderwärmung gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter auf weniger als 2 °C zu begrenzen. Die Schiene könnte rasch die Lösung des Problems sein. Mit einer Doppelstrategie schnell besser werden und schnell Marktanteil gewinnen, kann sie in kurzer Zeit einen substantiellen Beitrag zur Rettung des Klimas leisten, allerdings mit etwas Anstrengung.
Schnell besser werden, heißt vor allem rascher Ausstieg aus der Dieseltechnologie. Noch immer wird 1/3 der Zugleistungen in D mit Diesel erbracht, oft unter Fahrdraht. Nur 55 % der Strecken sind elektrifiziert.  Vollelektrifizierung oder zumindest rasche Umstellung auf Fahrdrahthybride tut not. Auch spart flüssigeres Fahren mit weniger Signalhalten Energie, Zeit und mit beidem Kosten. Dazu braucht es moderne Signaltechnik. Vor allem im Mischverkehr von ICE, Regionalverkehr und Güterzügen hat ETCS diesbezüglich sehr große Vorteile.
Um nennenswerte Marktanteile zu gewinnen, muss die Kapazität durch Ausbau der Knoten nach Vorgaben des Taktfahrplans und Umstieg auf Doppelstockzüge auf den Fern- und stark belasteten Nahverkehrslinien erreicht werden. Hohe Zuverlässigkeit der Infrastruktur und der Fahrzeuge, wie es im Bahnbetrieb selbstverständlich sein sollte, ist Voraussetzung für das Gelingen. Auch unpopuläre flankierende Maßnahmen bei den anderen Verkehrsträgern, wie das Anpacken der deutschen Dienstwagenproblematik und der Kurzstrecken- und Urlaubsflüge, sind zu ergreifen.
Das heutige Umweltproblem der Schiene, der Lärm, ließe sich mit den Anpassungen für die größere Aufgabe, des substanziellen Beitrages zum Klimaschutzes, elegant und kostenneutral im Nebenher lösen.
Durch solches Vorgehen würde auch die Bahnindus­trie und damit der Industriestandort Deutschland gestärkt werden. Warum soll nicht eine Forschungs- und Umsetzungsanstrengung beginnen, wie wir sie in den 70er Jahren im Nahverkehr mit U-Bahn und Straßenbahn hatten und in den 80er Jahren mit dem Hochgeschwindigkeitsverkehr? Gerade für den Güterverkehr bestehen heute noch große Wissenslücken dazu, wie trotz des Güterstruktureffektes (mehr großvolumige stückige Güter in kleinen Mengen statt schwerer Massengüter in großen Mengen) eine Verlagerung von der Straße auf die Schiene erfolgen können soll.
Die Industrie profitiert noch heute von den o. g. Forschungsergebnissen der 70er und 80er Jahre durch Exportgeschäfte, die allerdings abnehmen. Um ein Wegbrechen des Automobilmarktes auch nur annähernd zu kompensieren, müsste die Leistung der Bahnindustrie gewaltig gesteigert werden. Der Klimaschutz durch die oben genannten Maßnahmen wäre ein lohnendes Ziel, auch für den Weltmarkt.
Es bleibt zu hoffen, dass die Weichen rasch in die richtige Richtung gestellt werden und mit großer Änderungsgeschwindigkeit Verbesserungen für die Schiene und damit die Umwelt umgesetzt werden können.


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