Luisa Velardi

„Wir werden uns auf den Personenverkehr konzentrieren“

Frau Velardi, in den Medien gab es in letzter Zeit Berichte über einen möglichen Verkauf der OHE Cargo und damit verbunden über einen eventuell bevorstehenden Stellenabbau. Können Sie diese Informationen bestätigen?
Sie wissen wahrscheinlich, dass dieOHE im Güterverkehr 2010 und 2011 die schlechtesten Ergebnisse in der Geschichte der OHE AG eingefahren hat. Wir haben daraufhin Restrukturierungsmaßnahmen ergriffen; Netz und Betrieb wurden getrennt. Am 01.09.2012 gründeten wir die OHE Cargo AG als eigenständiges Eisenbahnverkehrsunternehmen aus. OHE Cargo etabliertesich erfolgreich am Markt – zuerst im angestammten Geschäft Rangierdienst und mit der Dieseltraktion. 2012 gelang es dann, Holz-, Montan- und Containertransporte hinzuzugewinnen. Wir weiteten den Aktionsradius aus, sind nach Österreich, in die Niederlande und nach Polen gefahren. Die Lokflotte wurde den Kundenbedürfnissen angepasst. So sind wir mit OHE Cargo wieder in die schwarzen Zahlen gekommen.

Sie verdienen also mit OHE Cargo Geld. Trifft es denn dann zu, dass Sie das Unternehmen verkaufen wollen?
Wir sehen das als Option. Netinera will sich eigentlich auf den Schienenpersonennahverkehr und den Öffentlichen Personen-Nahverkehr konzentrieren. Vor diesem Hintergrund wäre es logisch, die Kompetenzen in der Gruppe Ferrovie dello Stato Italiane, FSI, zu bündeln. Im Güterverkehr würden dann die Tochterunternehmen TX Logistik und OHE Cargo  zusammengelegt, der Personenverkehr würde bei Netinera gebündelt. Personen- und Güterverkehr sind zwei vollständig unterschiedliche Geschäfte. Im Personenverkehr haben wir es mit langfristigen Verträgen und hohem Kapitaleinsatz für Fahrzeuge zu tun, im Güterverkehr dominiert das Spot-Geschäft, das schnelle Entscheidungen erfordert.

Welche Vorteile hätte eine Zusammenlegung der Güterverkehrsaktivitäten?
Eventuell könnten Synergie-Effekte auftreten, die sich nutzen ließen. TX verfügt über Know-how im europäischen Linienverkehr, OHE Cargo ist stark im Rangiergeschäft sowie bei kurzfristigen Transportaufträgen mit Dieselloks. Zusammen könnten beide Unternehmen den Kunden also einen besseren Service anbieten.

Angeblich ist aber auch das Managementinteressiert, das Unternehmen in eigene Regie zu übernehmen. Die Geschäftsführung soll sogar Interesse am gesamten Güterverkehr einschließlichder Hafenbeteiligungen und der Spedition KOG haben.
Das stimmt. Wir sehen darin einen ziemlich klaren Beweis für das Vertrauen des Managements in die Geschäftsentwicklung. Denn wer kennt das Unternehmen besser als das Management? Es gibt aber noch andere Interessenten. Wir haben bei der Auswahl keine Eile.

Ist vorgesehen, dass der Käufer auch den Güterverkehr auf den OHE-Strecken übernimmt?
Ja. Wenn, dann werden wir das gesamte Geschäft einschließlich der Lokomotiven abgeben. Der Betrieb auf der lokalen Infrastruktur ist ein wichtiger Teil dieses Geschäfts. Der Käufer übernimmt alle Bedienungsgarantien.

Wer sorgt denn dafür, dass die Unterdeckung bei der Finanzierung der Infrastruktur ausgeglichen wird?
Ein Defizit bei der Infrastruktur wollen wir nicht. Daher müssen die Kosten aus den Einnahmen gedeckt werden, sodass zumindest der Break even erreicht wird.

Welche Bedeutung für den Standort hätte denn eine Zusammenlegung oder ein Verkauf an einen Interessenten, der seinen Sitz nicht in Celle hat?
Der Erhalt der Arbeitsplätze ist eine Voraussetzung für den Verkauf. Wir gehen
auch davon aus, dass der Erwerber unsere Werkstatt in Celle nutzt, und zwar sowohl im Diesel-, als auch im ELok-Bereich. Die Werkstatt in Celle ist die qualifi zierteste, und deshalb sind wir davon überzeugt, dass der Käufer davon nur Vorteil davon haben würde, hier weiter arbeiten zu lasen. 50 % des  Geschäfts in der Werkstatt stammt übrigens heute schon von konzernfremden Unternehmen.

Welche Pläne haben Sie für die weitere Entwicklung der OHE AG und der Netinera?
Die OHE und Netinera werden sich auf Personenverkehr und Werkstattleistungen konzentrieren. Wir wollen die Nummer zwei auf dem deutschen SPNVMarkt werden. Metronom und Erixx haben eine erfolgreiche Entwicklung genommen, wie sich auch am Gewinn der Ausschreibung Dinso II gezeigt hat. Netinera entwickelt sich insgesamt gut. So haben wir beispielsweise die Ausschreibung des Dieselnetzes Südwest und die Verlängerung des Vertrages über das Bündel C mit unserer Busgesellschaft Sippel in Frankfurt gewonnen.

Frau Velardi, vielen Dank für das Gespräch.

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Interviews
Artikel von Interview aus RB, Ausgabe 12/2013
Artikel von Interview aus RB, Ausgabe 12/2013