Michael Clausecker

„Wir wollen in Russland unser Geschäft kräftig erweitern“

Herr Clausecker, was bringt  Bombardier auf die Industriemesse Hannover?
Wir sind hier, um unsere Partnerschaft mit Russland zu demonstrieren. Deswegen finden Sie uns zum einen auf dem Russland-Stand, auf dem wir ein Mock-up einer Straßenbahn zeigen, unser erstes großes Fahrzeugprojekt in Russ­land. Zum anderen finden Sie uns hier auf dem Stand mit unserem Partner UralVagonZavod zusammen, wo wir unsere Fahrzeuggeschäfte vorstellen. Wir haben in Russland eine kräftige Erweiterung unseres Geschäftes vor, weil wir mit unserem Partner planen, in den nächsten Jahren Straßenbahnen, und dann – wenn wir zusammen die Ausschreibung gewinnen sollten – auch Metros für Moskau zu bauen.

Es wurde schon im Dezember über eine Vereinbarung nachgedacht, gemeinsame Projekte starten zu wollen.
Genau. Unser Plan ist, nicht einfach fertige Produkte ins Land zu bringen, unser Plan ist auch nicht, jemanden zu suchen, der sie nachbaut, sondern unser Plan ist es, gemeinsam mit einem Partner unsere Technologie in den Markt zu bringen, um mit ihm zusammen lokale Produkte zu entwickeln.

Sie wollen komplett neue Straßenbahnmodelle explizit für Russ­land entwickeln?
Ja. Das Fahrzeug wird selbstverständlich auf einer Plattform basieren, die wir schon haben, auf Flexity, die für die besonderen Bedürfnisse in Moskau – die Straßenbahn darf ein bisschen breiter sein, hat mehr Kapazität – angepasst wird. Diese Anpassungsentwicklung werden wir gemeinsam mit unserem Partner machen, das ist das eine. Das andere ist natürlich: Wie wir wissen, ist das geschmackliche Empfinden der Kunden auch in verschiedenen Regionen der Welt unterschiedlich. Dafür brauchen wir einen lokalen Partner, der uns hilft, das Produkt letztlich so zu gestalten, dass es die Akzeptanz beim Kunden findet. Und zwar nicht nur bei dem, der die Ausschreibung entscheidet – durch die Tür sind wir ja schon gegangen –, sondern es muss dann am Ende auch den Fahrgästen gefallen.
 
Und das Metroprojekt ist ganz neu?
Bei der Metro sind wir noch einen Schritt weiter vorn: Da haben wir zunächst mit unserem Partner vereinbart, gemeinsam ein Angebot abzugeben. Auch dort wird es so sein, dass das Angebot auf einem Produkt basiert, das wir haben, auf der Movia-Metro, und wir werden dann – wenn wir gewinnen – gemeinsam in die Entwicklung gehen, und auf Basis eines Produkts, das wir schon im Portfolio haben, ein echtes russisches, lokales Produkt entwickeln, das dann auch hier gefertigt wird.

Warum war gerade UVZ als Partner für Bombardier interessant? Es gibt ja noch andere größere Unternehmensgruppen in Russland.
Es ist ein Unternehmen, das sich in Staatsbesitz befindet. Damit ist es ein Partner, der verlässlich erscheint, der langfristig da sein wird. Es ist ein Unternehmen, das diversifiziert ist, das Entwicklungspotenzial hat, das technisches Potenzial hat und das auch die Solidität hat, mit uns gemeinsam hier aufzutreten. Das ist uns wichtig gewesen. Und es ist ein Partner, der auch von sich aus zieht, und ein massives Interesse hat, sich im Eisenbahngeschäft voran zu entwickeln. UVZ hat Erfahrung im Bereich der Güterwagen, sie sind damit in Russland Marktführer, das Eisenbahngeschäft ist ihnen also nicht fremd. UVZ ist aber auch ein Partner, der Produktionskapazität hat und der schon ordentliche Produkte am Markt etabliert hat. Es ist ein Partner, der sich neue Segmente in der Eisenbahn erschließen will. Dafür bringen wir Know-how und Technologie mit. Damit haben wir den Eindruck, dass wir ganz gut zusammen passen. 

Wäre die Allianz UVZ/Bombardier eine interessantere Komponente für den Weltmarkt als Bombardier und China?
Ich glaube, darüber müssen wir im Moment noch gar nicht nachdenken, weil wir zunächst mal hier im Land einen riesigen Bedarf vor uns haben, den wir uns jetzt mit dem Partner gemeinsam erschließen wollen. Die Dimension Export spielt bei den Überlegungen überhaupt noch gar keine Rolle.

Herr Clausecker, vielen Dank für das Gespräch.

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Interviews
Artikel von Interview aus RB, Ausgabe 17/2013
Artikel von Interview aus RB, Ausgabe 17/2013