Roland Pofalla

„Wir setzen auf Öko-Strom und werden belastet“

Ronald Pofalla zu den Belastungen des Unternehmens durch Klimaschutz und neues Problembewusstsein in der Politik.

Herr Pofalla, der Schienenverkehr gilt als besonders klimafreundlich. Wo sehen Sie denn die Potenziale für eine weitere Verbesserung der Klimabilanz des Schienenverkehrs?
Es gibt beispielsweise kleinere Maßnahmen wie etwa das energiesparende Fahren, die aber enormes Potenzial besitzen. Unsere Lokführer trainieren regelmäßig, weniger Energie zu verbrauchen und damit auch die Emissionen zu senken. Wichtigere Bausteine sind aber die konsequente Modernisierung der Flotten und natürlich ein wachsender Einsatz von Ökostrom im Bahnstrommix. Hier sind wir bei der DB dank unseres grünen Fernverkehrs schon bei über 40 % Anteil. Seit April 2013 und der Einführung des grünen Stroms hat unser Fernverkehr seine CO2-Bilanz um rund 1 Mio. t Kohlendioxid verbessert.

Bis 2050 will die Deutsche Bahn komplett klimaneutral fahren. Bisher ist der Einsatz nachhaltig erzeugter Energie teurer als konventionell erzeugte Energie. Binden Sie sich mit dem Bekenntnis zu einer Vollversorgung mit regenerativ erzeugtem Strom nicht im Wettbewerb einen Klotz ans Bein?

Wir haben als Unternehmen eine Verantwortung für den Klimaschutz und diese nehmen wir wahr. Allerdings sehen wir uns derzeit mit Kosten konfrontiert, die uns an die Grenze der wirtschaftlichen Belastbarkeit bringen. So sind beispielweise die Kosten aus der Erneuerbare-Energien-Umlage für die DB seit 2012 von knapp 40 Mio. EUR auf rund 160 Mio. EUR pro Jahr angestiegen. Wir setzen auf mehr Ökostrom und werden mit zusätzlichen EEG-Kosten zur Kasse gebeten. Diese Diskrepanz wird auch in der Politik zunehmend als Problem gesehen.

Der Klimaschutz kommt natürlich nur zum Tragen, wenn die Schiene einen möglichst großen Anteil am Modal Split erreicht. Auf diesem Gebiet tut sich aber eher wenig. Die Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung sah für 2015 einen Anteil von 25 % vor, tatsächlich liegt der Wert für die Bahn bei 17 %. Warum ist es trotz Wettbewerbs auf der Schiene nicht gelungen, diesen Anteil zu steigern?

Natürlich gibt es auch Hausaufgaben bei uns zu erledigen, denn wir müssen im Schienengüterverkehr qualitativ besser werden. Daran arbeiten wir mit einem Maßnahmenpaket sehr intensiv. Strukturelle Themen und der niedrige Dieselpreis wirken sich auch auf die Wettbewerbsbedingungen und Marktanteile aus. So hat die Schiene eine Menge an Belastungen zu tragen, von denen andere Verkehrsträger ausgenommen oder viel geringer betroffen sind. Neben der EEG-Umlage hat der Schienenverkehr die Kosten aus dem europäischen CO2-Emissionshandel zu schultern; das sind bei der DB rund 60 Mio. EUR jährlich. Wir unternehmen erhebliche Anstrengungen für den Lärmschutz, die allein bei der Umrüstung der Wagen im Schienengüterverkehr bis 2020 mit rund 230 Mio. EUR in unserem Ergebnis zu Buche schlagen. All dies erhöht unsere Produktionskosten – die gegen die Preise des Straßenverkehrs bestehen müssen.

Herr Pofalla, vielen Dank für das Gespräch.

 

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Artikel von Interview aus Rail Business Ausgabe 49/15
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