11 Bretter, 9 Klötze und 78 Nägel – 60 Jahre Europalette

Eine zeitlose Logistikheldin ist die Europalette; Quelle: ÖBB RCG David Payr

Zum 60. Jubiläum der Europalette wird die ÖBB Holding lyrisch. Die Markenrechte der EUR-Palette liegen seit 1961 bei der Rail Cargo Austria AG – Grund genug, um diese „stille Hauptdarstellerin in der Logistik“ als Konstante über die Jahre in Aufbau und Erscheinung zu preisen.

Entwickelt wurde die Europalette 1961 durch den Internationalen Eisenbahnverband UIC mit Sitz in Paris. Gemeinsam mit mehreren Mitgliedsbahnen  entwickelte er Kriterien für eine wiederverwendbare und tauschfähige, qualitätsgeprüfte Holzpalette. Die Abmessungen wurden auf 800 mm x 1.200 mm x 144 mm festgelegt, die Tragfähigkeit beträgt bis zu 1.500 Kilogramm. Derzeit sind im heutigen Europaletten-Tauschpool sechs Staaten: Frankreich, Niederlande, Österreich, Belgien, Luxemburg und Deutschland.

Zu Recht betonen die ÖBB: „Die Einführung der EUR-Palette revolutionierte 1961 zunehmend die Logistik in ganz Europa und darüber hinaus. Allein der Zeitaufwand für die Beladung von Eisenbahnwaggons konnte durch ihren Einsatz fast halbiert werden. An ihren Abmessungen orientiert sich die Logistikwelt – von der Dimensionierung von Lagerflächen, Transportsystemen bis hin zu Ladeflächen in Lkw und Güterwaggons. Durch ihre rasante Verbreitung etablierte sich auch seit Beginn ein internationales Tauschsystem. Damit setzte sich die Europalette schnell durch. Heute sind weltweit an die 600 Millionen EUR-Paletten im Einsatz.“

EUR-Palette – die stille Logistik-Heldin

Die Wiederverwendbarkeit und die Tauschmöglichkeiten der EUR-Palette machen sie zu einem nachhaltigen Ladungsträger. Darüber hinaus besteht sie hauptsächlich aus der nachwachsenden Ressource Holz. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor im Siegeszug der EUR-Palette liegt in der strengen Qualitätskontrolle. Europaletten dürfen nur durch autorisierte Betriebe hergestellt und repariert werden. Je nach Einsatz kann eine EUR-Palette im Durchschnitt rund sechs bis sieben Mal verwendet werden, bevor sie repariert wird und dann wieder zum Einsatz kommt. Das „EUR“-Symbol auf der Palette ist Garant für ihre Tauschbarkeit.

Die Kontrolle der Herstellungs- und Reparaturqualität der Europaletten wird auch in Zukunft durch die UIC übernommen werden. Seit 1961 bilden die Bestimmungen und Anforderungen der UIC-Merkblätter der Reihe 435 die Grundlage für die Herstellung und Instandsetzung von Paletten. Sie enthalten auch Anforderungen an die Palettenzulassung, Kontroll- und Qualitätssysteme. Für die allgemeine Funktionalität der Palettenproduktion und -reparatur sowie die Austauschbarkeit sorgt eine spezielle UIC-Arbeitsgruppe.

Über Details der Normeinhaltungen wacht dieEuropean Pallet Association e.V. Ein EPAL- Einbrand ist deshalb bei legalen Europaletten ebenso Pflicht wie seit dem 1. Januar 2010 ein IPPC-Einbrand gemäß den nationalen Pflanzenschutzbestimmungen. Dazu sind auf  der Palette ein Länder-Code, die Registriernummer der zuständigen Pflanzenschutzbehörde sowie die  Behandlungsmethode zu vermerken (hitzebehandelt -  englisch Heat Treatment). Obligatorisch sind ferner eine EPAL-Prüfklammer sowie bei reparierten Paletten ein Prüfnagel. Dazu kommt die Lizenznummer mit Jahr und Monat des lizensierten  Herstellers. In Deutschland hat die nationalen Aufgaben der EPAL die Gütegemeinschaft Paletten e.V. (GPAL) übernommen.

Strenge Kontrolle bei Herstellung und Reparatur

Das Regelwerk legt auch Reparaturvorschriften fest sowie die Grenzen der Verkehrsfähigkeit für gebrauchte EUR-Paletten. Zu den Merkmalen für einen schlechten Allgemeinzustand gehören: Die Tragfähigkeit ist nicht mehr gewährleistet (die Paletten sind morsch und faul, haben starke Absplitterungen oder beschädigte Querbretter). Die Verschmutzung ist so stark, dass die Ladegüter verunreinigt werden. Starke Absplitterungen sind an mehreren Klötzen vorhanden, oder offenbar sind unzulässige Bauteile verwendet worden.

Zu den UIC-lizensierten Herstellern gehört auch das Unternehmen Paletten-Winter. Dieses stellt aus Holz auch einen speziellen ÖBB-Aufsatzrahmen her, der mit einer Euro-Palette kombiniert werden kann. Er wird auf die Euro-Palette aufgesetzt und ist somit eine Alternative zur Gitterbox. Die Aufsatzrahmen sind beliebig hoch stapelbar. Sie werden in Kombination mit einer neuen Euro-Palette angeboten, und es werden bis zu sechs Stück je Palettenstellplatz verladen. (red./ob/hfs)

Bahn Manager
Artikel Redaktion Eurailpress
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