Trotz Pandemie: Schweizer BLS startet durch

Ein MIKA-Zug der BLS bei Chaux-de-Fonds; Quelle BLS

Die BLS AG ist eine 2006 gegründete normalspurige Schweizer Bahngesellschaft. Trotz finanzieller Corona-Engpässe startet sie mit neuem Wagenmaterial durch.

Hauptaktionäre der BLS sind der Kanton Bern mit 55,8 Prozent Anteil und die Schweizerische Eidgenossenschaft mit 21,7 Prozent. Der Name geht auf die ehemalige Bern-Lötschberg-Simplon-Bahn (BLS) zurück. Doch inzwischen ist die Reichweite gestiegen. Das Bahnunternehmen betreibt ein umfangreiches Netz im Regionalverkehr mit den normalspurigen Linien der S-Bahn Bern sowie den westlichen Linien der S-Bahn Zentralschweiz, was den Raum Emmental, Jura, Seeland, Simmental, Interlaken sowie die Lötschberg- Bergstrecke umfasst, einen Autoverlad am Lötschberg und Simplon sowie die Schifffahrt auf dem Thuner- und Brienzsee. Auch erbringt sie Dienstleistungen für die BLS Cargo AG und die BLS Netz AG.

Im Rahmen einer begrenzten Öffnung für die Konkurrenz schloss die Staatsbahn SBB zudem mit der BLS Fernverkehr AG im August 2019 einen Betriebsvertrag ab, welcher der BLS die vollständige betriebliche und kommerzielle Eigenverantwortung überträgt. Dies gilt für den Betrieb der drei Linien IR 17 Bern–Burg­dorf–Olten, IR 65 Bern–Biel und IR 66 Bern–Neuchâtel–La Chaux de Fonds. Somit hält die SBB AG weiterhin alle Konzessionsrechte im Schweizer Fernverkehr, doch auch ein anderes Unternehmen kann sich hierin bewähren.

Der Einstieg in den Fernverkehr am 15. Dezember hatte noch keinen entscheidenden Einfluss auf das Konzernergebnis 2019, erläuterte damals der Konzernbericht. Doch die Übernahme der ersten Fernverkehrslinie – des InterRegio zwischen Bern und Biel/Bienne – hatte trotz knapper Vorbereitungszeit ohne Komplikationen geklappt: „Entscheidend dafür war die schnelle Lieferung der für den Betrieb der Linie benötigten MUTZ-Züge seitens Stadler. Im Dezember 2020 übernimmt die BLS eine weitere Fernverkehrslinie zwischen Bern und Olten – sie will mit ihrem Angebot im Fernverkehr künftig neue Impulse für den öffentlichen Verkehr in der Schweiz setzen.“

Doch mit der Pandemie kamen die Verluste. „Weniger Fahrgäste bedeuten für die BLS weniger Einnahmen aus dem Billettverkauf. Deshalb weisen wir im Geschäftsfeld Personenmobilität einen hohen Verlust von 49 Mio. Franken aus. Alle Bereiche dieses Geschäftsfelds, also die Bahn, der Busverkehr, die Schifffahrt und der Autoverlad, haben Verluste erlitten. Der Verlust des gesamten BLS-Konzerns beträgt 50,8 Mio. Franken“, heißt es dazu im Bilanzbericht für 2020.

Doch die Mitarbeitenden hätten „das vergangene, herausfordernde Jahr mit viel Herzblut, Einsatz und Kompetenz gemeistert“, erklärten der Präsident des Verwaltungsrats Ueli Dietiker und CEO Dr. Dirk Stahl. „Sie haben die BLS allen Widrigkeiten zum Trotz weiter bewegt. An diese Leistung wollen wir in Zukunft anknüpfen, damit wir alle wieder mit Stolz auf die BLS blicken können.“ So sei die BLS trotz finanzieller Probleme – für die auch Hilfe bei den öffentlichen Kassen gesucht wird – überzeugt, „dass der öffentliche Verkehr langfristig als effizientes und umweltfreundliches Verkehrsmittel erfolgreich bleiben wird.“ Nach Auflösung diverser Reserven verbleibe für 2020 „beim Regionalverkehr ein Verlust von 10,8 Mio. Franken, den wir dank der ausserordentlichen Unterstützung des Bundes grösstenteils auffangen können.“

Für den Durchstart setzt die BLS auf neue Züge. Seit dem 10. Mai verkehren die ersten MIKA-Züge auf der Strecke Bern–Neuchâtel. Mit dem neuen Zug verbessert die BLS den Komfort für die Fahrgäste und ersetzt schrittweise alte Fahrzeuge. „Es ist die grösste Zugbeschaffung in der Geschichte der BLS: Das Bahnunternehmen investiert rund 650 Millionen Franken in 58 neue einstöckige Niederflurzüge von Stadler Rail“, heißt es bei der BLS.

Der moderne, innovative, kompakte Allroundzug – kurz MIKA – ersetzt bis Ende 2024 schrittweise die in die Jahre gekommenen EW III- und RBDe-Züge. Die ersten neuen Züge verkehren als InterRegio 66 auf der Strecke Bern–Neuchâtel. Weitere folgen ab 13. Juni als S4 auf der Linie Thun–Bern–Burgdorf–Langnau. Ab Ende 2022 sollen die MIKAs auch auf der Lötschberg-Bergstrecke (Bern–Kandersteg–Brig–Domodossola) und im Simmental (Bern–Spiez–Zweisimmen) fahren.

„Bei der Entwicklung wurde viel Wert auf Komfort gelegt“, unterstreicht die BLS: „Neben Panoramafenstern, einem hellen Innenraum und breiteren Sitzen punktet der neue RegioExpress-Zug mit einer Bistrozone mit Snack- und Kaffeeautomaten. Praktisch jeder Sitzplatz hat eine eigene Steckdose, und der Zug verfügt, dank speziellen Scheiben, über optimierten Handyempfang. In den sogenannten Multifunktionszonen finden neben Gepäck, Kinderwagen und Ski auch Velos Platz. Steckdosen bei den Veloplätzen ermöglichen unterwegs das Aufladen des E-Bikes. Zudem sorgen Notsprechstellen und Videoüberwachung für Sicherheit.“

Die BLS bestellt die Züge in zwei unterschiedlichen Ausführungen, damit sie im RegioExpress- und im S-Bahn-Verkehr eingesetzt werden können. Das Modell für die S-Bahn ist aktuell in Entwicklung und soll ab 2023 im Berner S-Bahn-Netz auf der S2, S4, S5, S6 und S51 zum Einsatz kommen. Mit dem neuen Zugtyp vereinheitlicht die BLS ihre Flotte, was den Betrieb und den Unterhalt stark vereinfacht. So soll auch der geplante Angebotsausbau der S-Bahn Bern sichergestellt werden. (red./hfs)

Bahn Manager
Artikel Redaktion Eurailpress
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