Rolf Härdi

Interview
Umfassend und ganzheitlich

Interview aus der ETR, Ausgabe 4/18

Die Deutsche Bahn hat ihre Technikstrategie ausgearbeitet. Sie soll die digitale Transformation des Unternehmens voranbringen. 17 Handlungsfelder sind definiert. Rolf Härdi, verantwortlich für die Umsetzung der DB-Technikstrategie im Ressort Technik/Digitalisierung, erläutert wesentliche Punkte.

Was steht hinter der Technikstrategie der Deutschen Bahn?


Die Technikstrategie der DB ist eine umfassende, ganzheitliche Strategie, die uns hilft, den Fahrgastkomfort zu erhöhen, die Leistung des Systems zu verbessern und die Wirtschaftlichkeit zu sichern. Im Fokus stehen sowohl neue digitale Dienstleistungen für unsere Fahrgäste als auch das Internet of Things (IoT). Mit IoT wollen wir eine verbesserte Nutzung unserer Assets erreichen. Ein wichtiger Bestandteil des Ganzen ist die Diagnose und somit das Condition Based Monitoring.

Was wird in den nächsten ein bis zwei Jahren angegangen?

Unsere Handlungsmatrix zeigt die grundlegenden Technologien und darauf basierend die konkreten Maßnahmen. Insgesamt ergeben sich daraus 17 Handlungsfelder, in denen wir tätig werden. Das reicht vom bekannten 3-D-Druck für obsolete Bauteile bis hin zu Blockchain-Technologien.

Blockchain wird klassisch bei Zahlungsprozessen im Internet verwendet. Wo sind die Anwendungsmöglichkeiten bei der DB?

Blockchain ermöglicht im Internet Abläufe, die sehr sicher und klar definiert ineinander übergehen. So wie Sie sagen, wird es meist bei Transaktionen von Geld oder Leistungen über das Internet verwendet. Die Technologie basiert auf einem Handshake. Das heißt, wenn ich Daten absende und der Empfänger sie erhält, bekomme ich eine entsprechende Quittierung. Gleichzeitig findet eine Verrechnung statt. Bezogen auf die Eisenbahn, kann diese Technologie bei der Übergabe von Zügen von einem in den  anderen Sektor oder bei der Verrechnung von Trassenpreisen zum Einsatz kommen.

Heute bucht man eine Trasse und bezahlt die gebuchte Trasse. Wäre es mit Blockchain möglich, nur die tatsächlich gefahrenen Zugkilometer (gefahrene Trasse) zu zahlen?


Genau. Der Zug nutzt die Trasse und die Abrechnung wird automatisch ausgelöst. Dabei ist es dann sogar möglich, die Anzahl der Wagen im Zugverband zu erfassen.

Wenn man auf einem Rangierbahnhof die Prozesse betrachtet, scheint zumindest der Güterverkehr noch Jahrzehnte von der neuen digitalen Welt entfernt.

Hier wird oft übersehen, dass uns Einzellösungen eines Betreibers im Sektor nicht weiterhelfen. Beispiel ist die stromführende vollautomatische Kupplung. Wir sind bei der Entwicklung technisch  weiter. Es geht nicht mehr alleine um die Übertragung von Kräften, sondern auch um das Übertragen von Daten und auch von Energie. Die vollautomatische Kupplung, die auch Strom führt, ist eine  wesentliche Voraussetzung, um einen Hub für die weitere Digitalisierung im Güterverkehr zu erreichen. Doch die Einführung dieser Kupplungsart muss auf europäischer Ebene angegangen werden. Das kann die DB nicht alleine.

Die automatische Kupplung wird schon seit Jahrzehnten diskutiert. Was hat sich jetzt geändert, dass Sie überzeugt sind, dass sie realisiert wird?

Ganz einfach. Mit dem Einsatz von Platooning und der weiteren Automatisierung im Lkw-Verkehr wird der Wettbewerbs- und Handlungsdruck auf den Schienengüterverkehr weiter und vor allem schnell wachsen. Das verlangt Antworten.

Wie weit ist man bei der vollautomatischen Kupplung?

Das Projekt wird dieses Jahr aufgesetzt. Wir reden hier bis zur einer möglichen europaweiten Entscheidung zur Einführung...

Hier können Sie das vollständige Interview als pdf herunterladen.

(Das Gespräch führte Dagmar Rees.)