Übersetzungstool "Translate4Rail" startet Feldtests zwischen Österreich und Italien

Translation
Grafik: Translate4Rail

Was ist ein großes Problem beim grenzüberschreitenden Bahnverkehr? Das „Railway English“ beziehungsweise dessen Fehlen als verpflichtende Norm. Anders als im Flugverkehr fordert jede Bahnverwaltung vom Lokpersonal Kenntnisse der eigenen nationalen Bahnsprache. Jetzt soll das Sprechen „Translate4Rail“ übernehmen.

Von Hermann Schmidtendorf, Chefredakteur bahn manager

Im Dezember 2019 starteten die Internationale Eisenbahn-Union UIC und die Organisation der Bahninfrastruktur-Manager RailNetEurope RNE das gemeinsame Projekt Translate4Rail (T4R). Es wird aus dem Shift2Rail-Fonds der Europäischen Union finanziert und soll bis Dezember 2021 laufen. Ausgangspunkt war die Überlegung, dass der Schienengüterverkehr und seine Zukunft stark vom grenzüberschreitenden Austausch abhängen. Dennoch bestehen weiterhin Interoperabilitätsbarrieren. Lokpersonale müssen mindestens Sprachkenntnisse der Stufe B1 aller durchfahrenen Staaten nachweisen.

„X BORDER“ – „CROSS BORDER“: NULL PROBLEMO

So entstand im X Border-Projekt die Idee, ein europaweit akzeptiertes Sprach-Tool speziell für den Bahnverkehr zu erarbeiten. Dieses wird jetzt vom Translate4Rail-Projekt entwickelt und durch die Frachtabteilung Rail Freight Forward der UIC koordiniert.  Zunächst wurde das Tool mit einer Reihe vordefinierter Nachrichten sowie für die Sprachübersetzung der Kommunikation zwischen Verkehrsleitern und Lokführern verschiedener Länder konzipiert. Es folgt die eigentliche Entwicklung und Erprobung eines Sprachwerkzeugs. Eine der vielen zu beantwortenden Forschungsfragen wird sein, wo genau sich das Werkzeug oder Gerät befinden sollte. Mehrere Optionen bieten sich da an und werden im Verlauf des Projekts weiterentwickelt.

Das führt dann zu Pilotversuchen - zunächst in einer sicheren Umgebung (Labortests), später unter realen Betriebsbedingungen (Feldtests). Auf der Sitzung des Beirats von Translate4Rail im Februar 2020 in Paris wurde festgelegt, das Sprachwerkzeug für eine Tablet-Version zu entwickeln, zunächst auf der Grundlage eines vorbereiteten Satzes vordefinierter Nachrichten. Diese vordefinierten Nachrichten sind auf den Bahnbetrieb zugeschnitten und wurden bereits im Rahmen des UIC- X Border- Projekts mit den Infrastrukturbetreibern im RNE-Sprachprogramm harmonisiert.

GRENZÜBERSCHREITEND – UND DER COMPUTER SPRICHT

Auf der Beiratssitzung vom Mai 2020 teilten die Konsortialpartner mit, dass der Lieferant für das Übersetzungswerkzeug ausgewählt wurde und ein Modell entwickelt wird. Dessen Vorschau sowie ein Support-Video wurden präsentiert, um die Grundprinzipien des Werkzeugs zu erläutern. Im August 2020 lag der erste Prototyp des Language Tools vor. Rail Cargo Austria (RCA) und DB Cargo Italien äußerten ihr Interesse, an den Feldversuchen teilzunehmen. Diesem Vorschlag wurde gerne entsprochen. So wird jetzt das Sprachen-Tool im österreichisch-italienischen Grenzabschnitt Villach - Tarvisio (Pontteba) getestet. An den Feldversuchen nehmen der österreichische Infrastrukturbetreiber ÖBB Infra und die italienische Rete Ferroviaria Italiana (RFI) zusammen mit den Eisenbahnunternehmen Mercitalia, DB Cargo und Rail Cargo Group teil. Wenn alles wie geplant klappt, wird es bald heißen: Lokverkehr über die Grenze? Null Problemo!

Bahn Manager
Artikel Redaktion bahn manager
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