Dr. Thomas Mainka

Der Eisenbahningenieur ist der springende Punkt bei allen Innovationen

Dr. Thomas Mainka, VDEI-Präsident seit Oktober 2014, spricht über die Arbeit im Verband, seine Zukunft und die bedeutende Rolle des Ingenieurs für die Bahnbranche.

Der Eisenbahningenieur ist der springende Punkt bei allen Innovationen
eit Oktober 2014 sind Sie Präsident des Verbandes Deutscher Eisenbahn-Ingenieure­. Wie haben Sie die Zeit bisher erlebt?

Ich habe eine Menge sympathischer Leute kennengelernt, allerdings mit sehr unterschiedlichen Vorstellungen. Ich bin seither auch erst richtig in die Verbandsarbeit eingestiegen. Vorher war ich eher normales Mitglied und habe an Veranstaltungen teilgenommen. Jetzt gehöre ich zum Führungskreis und das ist eine völlig andere Sache, als nur als Mitglied zu einem Bezirkstag zu kommen.

Warum sind Sie denn in den Verband eingetreten?
Der Verband ist für mich eine Anlaufstelle für Gleichgesinnte. Ich bin ursprünglich aus rein beruflichen Gründen eingetreten, um mit Kollegen aus anderen Unternehmen und mit Ingenieuren auf der  Auftraggeberseite zusammen zu kommen. Ich komme aus dem Gleisbaubereich und im Verband habe ich dann viele Menschen getroffen, mit denen ich beruflich zu tun hatte. Natürlich war mir auch das Renommee, das hinter dem VDEI steckt, wichtig, besonders was an Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen angeboten wurde. Die Oberbaufachtagung habe ich damals zum Beispiel regelmäßig besucht. Außerdem habe ich Jahre zuvor schon den EI gelesen – als Rundlauf in der Firma, wie das heute ja auch viele machen.  Aber irgendwann habe ich gesagt, da muss ich richtig mitwirken.

Und dann sind Sie Präsident geworden. Was hat Sie dazu angetrieben?

Ich habe mich schon immer ehrenamtlich engagiert. Ich war aktiv bei der Bundesvereinigung mittelständischer Bauunternehmen, erst im Beirat und später auch im Präsidium. Ich habe mich auch engagiert bei der Bauindustrie NRW, dort war ich Bezirksvorsitzender in Münster. Ich möchte etwas bewegen.

Was motiviert Sie in Ihrer Verbandsarbeit?

Was den VDEI angeht, gibt es eine positive Grundhaltung gegenüber dem spurgebunden Verkehr, sprich der Schienenwelt. Das will ich unterstützen. Diese Grundlage ist natürlich beruflich motiviert, aber ich bin auch überzeugt davon. Ich möchte mich auch mehr in der freiwilligen Arbeit engagieren, jetzt wo ich beruflich zurückgesetzt habe. Besonders im Nonprofit-Bereich wollte ich Einfluss nehmen, auch in maßgebender Stelle. Das hat dann auf Anhieb geklappt. Frau Anette Hering vom VDEI-Beirat hatte mich angesprochen, ob ich mich im Präsidium beteiligen möchte. Ich willigte ein und so kam es, dass ich dann zum Präsidenten berufen wurde.

Was war Ihre allererste Amtshandlung nach dem Bundeskongress?

Direkt nach dem Bundeskongress hatte ich mit Joachim Warlitz und Manfred Kehr, den beiden Vizepräsidenten, vereinbart, dass wir uns relativ kurzfristig zusammensetzen, um die ersten Schritte zu besprechen. Wir haben uns dann zwei Wochen nach der Wahl bei der VDEI-Service GmbH in Berlin getroffen und dort über die Akademie gesprochen. Dort wollen wir erheblich mehr investieren.
Anschließend habe ich meinen ersten Antrittsbesuch bei Dirk Flege,  dem Geschäftsführer der Allianz pro Schiene gemacht. Ihn kenne ich aus anderen Gremien schon länger. Wir haben uns dann besprochen und das hat sich so weit entwickelt, dass ich nun auch in den Vorstand der Allianz pro Schiene eingetreten bin. Traditionell läuft das immer so, denn der VDEI ist auch Gründungsmitglied der Allianz pro Schiene. Ich will nicht sagen es ist unser politischer Arm, aber sie machen in der Hinsicht schon sehr viel.

Sie sprachen gerade Ihre Vizepräsidenten an. Hat sich das neue Präsidium in seiner Rolle als Verbandsführung denn schon gefunden?

Ich denke, das hat sich mittlerweile schon ganz gut eingespielt. Wir haben eine grundsätzliche Aufgabenverteilung gefunden und wir arbeiten gerade noch an einer genaueren Definition der Arbeitsbereiche und Verantwortlichkeiten, auch in Verbindung mit der Geschäftsstelle. Damit das vernünftig organisiert ist und wir richtig handlungsfähig sind.

Wie sieht diese Rollenverteilung aus?

Joachim Warlitz betreut die Akademie, ein ganz wichtiger Schwerpunkt unserer Arbeit. Manfred Kehr kümmert sich um die Außenbeziehungen, also um die Kooperation mit anderen Verbänden und Institutionen. Er kümmert sich jetzt auch um Aktionen des „Jungen Netzwerkes“. Mein Schwerpunkt ist die Vertretung insgesamt und wie wir uns im Verband organisieren. Ich muss sehen, dass ich die Leute zusammenbringe und wir inhaltlich weiterkommen. Auch die Verbindung zur EI-Redaktion ist ein wichtiger Schritt gewesen.

Was sehen Sie als die kurzfristigen Hauptaufgaben der nächsten Zeit an und welcher Aufgaben will sich die Verbandsführung mittelfristig annehmen? 

Kurzfristig müssen wir unsere Öffentlichkeitsarbeit verbessern und unsere Grund­organisation zum Laufen bringen. Das Weitere ist noch die Analyse der Haushaltssituation. Wir wollen das Akademieprogramm erweitern, dazu haben wir schon mehrmals getagt.
Mittelfristig müssen wir sehen, dass wir mehr Mitglieder gewinnen, mindestens aber die Anzahl stabilisieren. Auch wollen wir die Außenwirkung des Verbandes verbessern.

Kann man die zukünftige Richtung der ­Akademie schon konkretisieren?

Wir haben schon viele Fachthemen angesprochen. Hier sind die Fachausschüsse gefordert. Sie müssen aktuelle Themen einbringen. Zudem machen wir gerade eine Marktanalyse, um zu ermitteln, wo wir gut vertreten sind, wo wir uns verbessern können und wie unsere Veranstaltungen angenommen werden. Wir wollen auf jeden Fall die Akademie stärken. Dazu sollen einige renommierte Professoren aufgenommen werden, um der Akademie noch mehr Gewicht zu geben.

Stichwort iaf BahnBau Kongress: Welchen Stellenwert hat diese Veranstaltung für den Verband?

Das ist das diesjährige Highlight für den VDEI und die VDEI-Akademie. Wir haben einen sehr guten Bekanntheitsgrad. Es werden die Netzchefs von Deutschland, Österreich, der Schweiz und Frankreich erwartet. Der Kongress steht unter der Schirmherrschaft von Dr. Kefer, Vorstand Infrastruktur und Dienstleistungen der Deutschen Bahn. Moderiert wird die Podiumsdiskussion von Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene. Wir bieten eine attraktive Veranstaltung an und hoffen auf eine rege Beteiligung. Es wird viele Stände geben und eine Menge gezeigt werden. Ich denke, es werden viele Leute nach Münster kommen. Es ist natürlich ein anderes Format als eine reine Fachtagung, auf der im Detail berichtet wird. Beim Kongress geht es auch um die hohe Bahnpolitik.

Sind denn weitere Kongresse zu anderen Themengebieten geplant?

Wir müssen immer sehen, was es am Markt gibt. Dazu machen wir gerade eine Marktstudie. Gerne würden wir im Bereich Fahrzeuge ein Format umsetzen. Vielleicht schaffen wir es, dazu eine Fachtagung zusammenzubringen. Insgesamt geht es der Fahrzeugindustrie nicht gut. Das Feld tut sich schwer. Aber gerade deswegen muss es interessant sein, wenn wir da etwas anbieten.

Werde VDEI-Botschafter 2015 – das war der Aufruf für eine Werbekampagne Anfang des Jahres. Was steckt dahinter?

Der Botschafter ist eine Aktion, die darauf hinzielt, unsere Öffentlichkeitsarbeit zu verbessern. Wir haben schon je zwei junge Damen und Herren gefunden, die ihr Gesicht zur Verfügung stellen und als junge Repräsentanten die Eisenbahningenieure vertreten. Mit diesen authentischen Ingenieuren wollen wir dann konkrete Werbemaßnahmen umsetzten.
Zusätzlich haben wir auch eine Kooperation mit der Hochschule Ostfalia. Dort wird in diesem Sommersemester ein Projekt mit dem Thema „VDEI-Medienkonzept“ durchgeführt. Das wird ein Wettbewerb unter den Studenten um den besten Film zum Thema. Wir haben dafür einen Preis ausgeschrieben und ersetzen auch gewisse Herstellungskosten. Dazu haben wir ein Budget von 4000 EUR. Wir hoffen auf einen ansehnlichen Film, den wir auch für die weitere Öffentlichkeitsarbeit nutzen können. Wir wissen, dass bei dieser Hochschule schon so etwas für den VDI gemacht wurde und das ist sehr gut geworden. Wir sind hoffnungsvoll, dass wir da eine gute Version hinbekommen.

Gibt der VDEI den Studenten dafür Vorgaben?

Sie wurden von uns gebrieft und haben Unterlagen bekommen. Ansonsten haben die Studenten völlige Freiheit. Wir wollen sie nicht zu weit einschränken und ihrer Kreativität freien Lauf lassen.

Wir sind gespannt. – Aber nicht nur solche Aktionen gehören zur Öffentlichkeitsarbeit, sondern auch die Verbandspublikationen. Worin sehen Sie die Stärken des EI und EIK. Was können Verband und Redaktion gemeinsam verbessern, um vielleicht auch den Leserkreis auszu­bauen?

EI und EIK haben in der gesamten Branche ein sehr gutes Renommee, werden absolut ernst genommen. Ich denke, dass sie vom Format her sehr gut eingestellt sind. Sie drücken auch sehr gut aus, wofür der VDEI steht.
Es ist im Verband die geballte Fachkompetenz gebündelt, sie steht den Mitgliedern über das Netzwerk zur Verfügung. Mit der Akademie und den Weiterbildungsmaßnahmen transportieren wir das fachliche Know-how, also Wissen plus Erfahrung, das muss zusammenkommen. Das bringen auch der EI und EIK gut rüber. Wenn wir die Zielgruppe erweitern wollten, sollte man vielleicht mehr Bahnpolitik einbringen. Sich also auch mehr in die Politik einmischen. Der zweite Ansatz wäre, für interessierte Bahnnutzer allgemeinere Themen zu finden. Da muss man abwägen, ob das machbar ist oder nicht.

Ein anderes Thema: Aus Diplom-Ingenieur wurde “Master of Science” bzw. “Master of Engineering”. Muss die Verbandszeitschrift nun umbenannt werden oder bleibt der Begriff „Eisenbahningenieur“ trotzdem allgegenwärtig?
Damit beschäftigen sich auch andere Einrichtungen. Verwischt das Berufsbild jetzt in seiner Bezeichnung? Der Titel Ingenieur ist positiv besetzt, auch in der Bevölkerung. Eigentlich brauchen wir keine Anglizismen aufnehmen. Eine weitere Frage ist aber eben auch: Ist der Begriff Eisenbahningenieur aus der Eisenzeit, würde Bahningenieur nicht vielleicht reichen? „Eisenbahningenieur“ ist etwas altbacken. Aber es ist halt ein etablierter Name.

Wo sehen Sie in den kommenden Jahren die größten Veränderungen im System Bahn – Stichwort Digitalisierung – und welche Veränderungen am Berufsbild der Eisenbahningenieure sind damit verbunden?

Die Digitalisierung fängt ja jetzt nicht plötzlich an, der Wandel läuft schon seit Jahren. Aber es werden sich die Schwerpunkte weiter verändern. Es werden mehr Ingenieure den Informatikbereich als Schwerpunkt haben, auch Betriebssteuerung und Elek­tronik. Die Ingenieure aus diesem Bereich müssen sich darauf einstellen, dass alles viel schnelllebiger ist. Die Entwicklung ist unglaublich rasant. Die Schwierigkeit ist, dass wir im Schienenfahrzeugbau nicht so schnell sind wie im Automobilbau. Die bringen alle zwei, drei Jahre neue Fahrzeuge auf den Markt und werden maximal zwölf Jahre alt. Das Durchschnittsalter von Bahnwaggons hingegen liegt bei über 25 Jahren. Die sollen ja auch langlebig sein und das ist ein gewisser Widerspruch. Man möchte die neueste Technik, auch möglichst mit digitalen Medien, aber die Zuverlässigkeit von Fahrzeugen, die mindestens 50 Jahre halten.  Das muss man ein bisschen übereinander bringen. Ich halte es daher für ganz wichtig, dass die Dienstleistungen, die damit verbunden sind, auch modernisiert werden.

Wie kann sich denn der Eisenbahningenieur an diese neuen Entwicklungen anpassen?

Der Eisenbahningenieur ist der springende Punkt bei allen Erneuerungen und Innovationen. Ohne Ingenieure wird es keine praktisch nutzbaren Innovationen geben. Er muss beitragen, sich Gedanken machen: „Wie kann ich das Bahnfahren bequemer machen?“, „Wie kann ich den Betrieb  sicherer gestalten?“ oder „Wie kann ich sicherstellen, dass der Verkehr aufrechterhalten wird?“. Dazu sind gute Ideen und Engagement gefragt. Daher bestimmt der Ingenieur die Mobilität mit. Ich denke, das ist seine Kernaufgabe.

Zurück zum VDEI: Was können alle gemeinsam tun, um vor allem junge Kollegen – Studierende und Berufsanfänger – für den Verband zu gewinnen?

Sie müssen uns erst einmal zur Kenntnis nehmen. Dann müssen wir ihnen zeigen, dass sie einen Mehrwert davon haben, dem Verband beizutreten. Ich fand, es war immer ein Vorteil, mit Kollegen verbunden zu sein. Man kann zusammen sprechen und sich austauschen. Das ist ein ganz wichtiger Aspekt bei jungen Leuten, die den Kontakt zu erfahrenen Kollegen suchen. Es gibt ja auch viele Quereinsteiger, die zu Anfang relativ wenig über das mächtige System Schiene wissen. Diese Vorteile, die der Verband liefert und die Veranstaltungen, die er anbietet, müssen junge Leute erkennen und daraus ihren Nutzen ziehen. Das ist für jeden eine Chance, sich zu entwickeln und sich zu betätigen.

Nun etwas Persönliches: Was für ein Mensch steht hinter dem VDEI-Präsidenten Mainka?

Ein Ingenieur durch und durch. Ich habe in Aachen studiert und habe immer im Baubereich gearbeitet, lange Jahre auch als Geschäftsführer. 15 Jahre dann stark im Bahnbereich. Das hat mich geprägt, auch als Mensch. Es gibt natürlich auch ein Privatleben, aber als Ingenieur ist man sehr eingebunden. Das gilt auch schon bei vielen jungen Menschen, die kaum Zeit finden, sich im Verband zu engagieren. Das ist auch ein Problem für die Zukunft. Jetzt bin ich freiberuflich tätig und betreue noch Bauprojekte. Aber es ist jetzt nicht mehr der tägliche Einsatz, das habe ich im vergangenen Jahr zurückgefahren. Das eröffnet mir die Chance, mich mehr mit dem Verbandsleben zu beschäftigen.

Beschäftigen Sie sich auch privat mit dem Thema Bahn?
Nein, privat nicht  – ich habe keine Modelleisenbahn. Ich bin hingegen leidenschaftlicher Segler, damit beschäftige ich mich sehr stark. Ich mache gerne Sport. Früher habe ich viel Volleyball gespielt, heute jogge ich eher.

Man braucht ja auch einen Ausgleich.

Ganz genau.

 
Eine letzte Frage: Was wünschen Sie sich für die Zukunft – beruflich wie privat?

Ich fang mal privat an: Dass man gesund und munter bleibt. Dass man Freude am Engagement hat. Ich halte es aber auch für den Verband wichtig, dass wir alle vernünftig zusammenarbeiten. Dass die Leute, die sich ehrenamtlich betätigen, daran Spaß haben und wir den Verband nach vorne bringen, wir also unsere Mitgliederzahl und Außenwirkung erhöhen. Auch dass wir für die Eisenbahningenieure eine echte Anlaufstelle sind, die ihr Wissen und Können verbessern und ihr Netzwerk pflegen wollen.

Dr. Mainka, vielen Dank für das ­Gespräch.

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Artikel von Interview aus dem EI Ausgabe 5/2015
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