Horst Hackenthal und Matthias Lau

„Auftraggeber fordern vermehrt den ausschließlichen Einsatz emissionsarmer Geräte und Maschinen“

Der Schienenverkehr soll nach dem Willen der Gesetzgeber immer ressourcenschonender werden. Daher ändern sich die Anforderungen der Bahninfrastruktur-Auftraggeber ­hinsichtlich Emissionsreduzierung und Umweltverträglichkeit stetig. Diese Standards umzusetzen, bedeutet für alle Unternehmen der Branche eine große Herausforderung. Der EI befragte zu diesem Thema Matthias Lau, Geschäftsführer der SLG Spitzke Logistik GmbH, und Horst Hackenthal, Direktor Vertrieb und Service bei Vossloh Locomotives.

Herr Lau, umweltrelevante Normen für den Betrieb von Schienenfahrzeugen werden kontinuierlich verschärft. Auch die Spitzke SE, als Systemlieferant mit eigener Logistiksparte, muss sich diesen stellen. Was bedeutet das für die Unternehmenstochter SLG Spitzke Logistik GmbH?

Lau: Spitzke verfügt über einen vielseitigen Lokomotiv-Park und hält diesen stets auf dem neuesten technischen Stand. Erneuerungen sowie Nachrüstungen werden in der Unternehmensgruppe regelmäßig und schnell umgesetzt. Obgleich das Durchschnittsalter unserer eigenen Loks gerade einmal acht Jahre beträgt, beobachten wir den Markt in Hinblick auf neue Trends und öffnen uns hinsichtlich Neuinvestitionen, um auch zukünftig wettbewerbsfähig zu bleiben. Daher fanden innerhalb der vergangenen Jahre umfassende Testeinsätze von Lokomotiven unterschiedlicher Leistungsklassen statt, bei denen die Praxis­tauglichkeit und der Einsatz für Spitzke geprüft wurden. Insbesondere für Transporte von Gleisbaumaschinen und Materialien zur Baustellenversorgung sind Lokomotiven mit einer Leistung über 2000 kW notwendig. Für die interne Baustellenlogistik ist hingegen zumeist eine Leistung von 1000 bis 1500 kW ausreichend. Unter diesen Gesichtspunkten absolvierten wir zahlreiche Testfahrten.

Welche technischen Kriterien sind für Ihren Maschinenpark besonders wichtig?

Lau: Unsere Auftraggeber fordern vermehrt den ausschließlichen Einsatz emissionsarmer Geräte und Maschinen. Aufgrund der zunehmend wichtiger werdenden Umweltaspekte rüsten wir unseren bestehenden Maschinenpark mit Rußpartikelfiltern nach, kaufen ausschließlich Lokomotiven mit innovativer Technik und hoher Wirtschaftlichkeit bei gleichzeitig ökologischer Nachhaltigkeit. Das war u. a. ausschlaggebend für die Neuanschaffung zweier Lokomotiven vom Typ G 18 aus dem Hause Vossloh ­Locomotives. Des Weiteren setzen wir diese Lokomotiven als Doppeltraktion ein und sind somit in der Lage, unsere Gleisbaumaschinen mit einem Eigengewicht von mehr als 2000 t problemlos von Projekt zu Projekt zu transportieren. Innerhalb der Baustellen agieren wir dann wieder mit Einzeltrak­tion. Dieser Spagat zwischen Transport und Baustelle bedeutet einen enormen dispositiven Aufwand bei stetigen Just-in-time-Lieferungen für unsere Kunden. Ebenso entscheidungsrelevant waren für uns die Merkmale des neuen leistungsstärkeren und umweltschonenderen Motors sowie des verbesserten Getriebes und dass die G 18 die Norm „TSI Tunnel“ erfüllt. Das macht diese Diesellokomotive insofern besonders, da viele Bestandsloks nach heutigen Vorschriften einem Tunnelverbot unterliegen. Außerdem ist die G 18 nach „TSI Loc & Pas“ zugelassen und erfüllt die europäische Crash-Norm EN 15227. Die Sicherheit des Lokpersonals bei Unfällen wurde damit wesentlich verbessert. Und schließlich: Die G 18 arbeitet mit modernen, leistungsfähigen Rußpartikelfiltern und stößt bis zu 40 % weniger Stickoxide als eine herkömmliche Diesel-Lokomotive aus. Das macht uns stark im Wettbewerb, schont die Umwelt und schützt unsere Mitarbeiter. Also alles in allem Aspekte, die auch unsere Wirtschaftlichkeit und damit unser Agieren am Markt positiv beeinflussen.

Losgelöst von den rein technischen Fragen, worauf bauen Sie bei Ihren Partnern und Lieferanten für Ihren Technikpark?

Lau: Das sind dieselben Attribute, auf die sich unsere Kunden bei uns verlassen können: Qualität, Zuverlässigkeit, Schnelligkeit und vor allem guter Service. Beispielhaft dafür steht unsere Zusammenarbeit mit Vossloh Locomotives. 2003 haben wir die erste Lokomotive aus Kiel gekauft. Seitdem entwickelte sich eine sehr gute Partnerschaft zum Servicestützpunkt in Moers. Uns überzeugt nicht allein die Technik: Ganz besonders wichtig ist der Service. Der wird in Moers top geleistet, zur Not auch rund um die Uhr. Das gibt uns Planungssicherheit und hilft entscheidend, Ausfälle und Betriebsstörungen bei Großprojekten so gering wie möglich zu halten. Hinzukommt, dass sowohl planmäßige Wartungen als auch außerplanmäßige Aufgaben just in time und unkompliziert ohne langfristige Vorabsprachen durchgeführt werden. So können wir unsere Auftraggeber in der gewohnten Qualität bedienen und werden unserem Ruf als zuverlässiger Logistikpartner gerecht.

Hackenthal: Vielen Dank für die Blumen, Herr Lau. Unser Engagement für einen reibungslosen Service hat natürlich auch ökologische Aspekte: Fällige Arbeiten an den Lokomotiven zeitnah durchzuführen, hilft beispielsweise auch, den Verschleiß, den Kraftstoffverbrauch und mögliche Umweltbelastungen zu minimieren.

Herr Hackenthal, wie hat sich Ihr Unternehmen auf die veränderten Anforderungen Ihrer Kunden eingestellt, wenn inzwischen nicht mehr allein die Antriebsleistung einer Lokomotive über den Kauf entscheidet?

Hackenthal: Eine wichtige Weichenstellung war die Entwicklung und Markteinführung unserer Lok G 6. Mit ihr wurde erstmals das Plattformkonzept umgesetzt, das mittlerweile zu einer kompletten Familie von dieselelektrischen und dieselhydraulischen Lokomotiven ausgebaut wurde. Sie bietet unterschiedliche Motorisierungen und verschiedene Ausstattungspakete, um sie präzise an die Kundenbedürfnisse anpassen zu können. Auch die G 18, von der Herr Lau sprach und die sein Unternehmen orderte, gehört dazu. Bei diesem Typ erzielen wir eine Gleichteilquote von 60 %. Das erleichtert und verkürzt nicht nur Wartungen und Nachrüstungen ganz enorm. Unsere Loks sind robust und langlebig. Da ist es wichtig, sie regelmäßig und sachgerecht auf dem neuesten Stand zu halten.

Vossloh hat sein Kieler Werk 1998 von Siemens übernommen. 100 Jahre wurden dort Diesellokomotiven entwickelt und produziert. 2016 wollen Sie in ein neues Werk in Kiel-Suchsdorf umziehen. Ist das ein reiner Adressenwechsel oder verfolgt Ihr Unternehmen damit auch eine neue Strategie?

Hackenthal: Das neue Werk ist eine so große Investition und zugleich Chance, da macht man natürlich nicht einfach weiter wie immer. Wir werden unsere Erfahrung aus über 100 Jahren Lokomotivbau am neuen Standort noch besser mit Verve für eine intelligente, umweltverträgliche Zukunft des Schienenverkehrs nutzen. Wir wollen uns dabei aber mehr auf Kernstärken konzentrieren. Wir sind in unserem Segment europaweit führend. Diese Position wollen wir langfristig ausbauen. Die Umweltaspekte sind dabei ein wichtiger Punkt, denn die europäischen Gesetzgeber werden die Normen auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten weiter verschärfen. Diese Umweltverträglichkeit steht für unsere Kunden ganz oben auf der Checkliste, zusammen mit der Wirtschaftlichkeit und der Effizienz. Die modernen Anlagen im neuen Werk in Kiel-Suchsdorf machen uns bereit für diese Aufgabe – und sie verschlanken unsere Produktionsprozesse deutlich, was auch kürzere Lieferzeiten zur Folge hat.

Kommen wir noch einmal zum jüngsten Baustein Ihrer Partnerschaft, den zwei G 18. Herr Hackenthal, wenn Sie ganz ungeniert für „Ihre“ Lokomotive werben dürfen, womit machen Sie Herrn Lau und andere Kunden neugierig?

Hackenthal: In einem Satz: Bei einer höheren Leistung als bei ihren Vorgängern erzielt die G 18 einen besseren Wirkungsgrad, verbraucht gleichzeitig weniger Kraftstoff und stößt erheblich weniger Schadstoffe aus.

Lau: Uns haben vor allem die neuen technischen Komponenten überzeugt. Der Partikelfilter der Abgasanlage erreicht einen Abscheidegrad von 99 % und regeneriert sich selbst durch die Abgaswärme. Die G 18 kann also bedenkenlos auch bei schwer zu belüftenden Verhältnissen und auf innerstädtischen Baustellen betrieben werden. Mit dem Erwerb dieser Fahrzeuge verbessern wir nachhaltig unsere Einsatzfähigkeit und unsere Marktchancen. Erst kürzlich stellten wir unsere Leistungsfähigkeit auf dem südlichen Abschnitt der Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main unter Beweis. Im Auftrag der DB AG hat die Unternehmensgruppe Spitzke dort rund 100 km Schiene erneuert. Eine der Hauptforderungen des Auftraggebers war der ausschließliche Einsatz von Loks mit Rußpartikelfiltern aufgrund der zahlreichen Tunnel.?

Vielen Dank und Ihnen weiter eine erfolgreiche Zusammenarbeit!

 

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Interviews
Artikel von Interview aus dem EI, Ausgabe 8/2015
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