Robert Lehmann

"Güterwagen-Reparaturen gleichen Substanzverzehr oft nicht aus"

Robert Lehmann ist Geschäftsfüher des Wartungsunternehmens Euromaint Rail. ETR sprach mit ihm über Wartungskonzepte in Deutschland und Schweden.

1. Herr Lehmann, welches sind die häufigsten Reparaturen, die Euromaint Rail an den gewarteten Fahrzeugen durchführen muss?
Bei Güterwagen dominieren gewöhnliche Blechreparaturen und mechanische Einstellarbeiten am Aufbau. Kesselwagen benötigen sehr häufig überarbeitete Armaturen. Untergestellreparaturen umfassen die Behebung von Materialermüdungen, das Drehgestell inklusive Radsatz und die gesamte Bremsanlage. Das Spektrum in der Reparatur von Personenzugwagen und Triebfahrzeugen ist deutlich breiter. Hier spielt auch die Herstellung einer ansprechenden Haptik im Interieur eine wesentliche Rolle. Daneben reparieren wir anspruchsvolle und starken Nutzungen ausgesetzte mechatronische Systeme wie Türanlagen oder Klimageräte. Arbeiten an Powerpacks und Drehgestellen sind seit jeher eine unserer Stärken.

2. Haben sich die Reparaturfällein den 4 Jahren, in denen Sie auf dem deutschen Markt sind, verändert?

Nicht grundsätzlich, da sich der Wagenpark im Güterverkehr in Europa nicht wesentlich verändert hat. Zu beobachten ist das ausgeprägte Kostenbewusstsein der Kunden. Viele Reparaturen gleichen heute nicht mehr den Substanzverzehr aus. Bei Personenzugwagen und Triebfahrzeugen genau das Gegenteil: hier wird auf substanzerhaltende Reparaturen gesetzt, das Alter eines Zuges darf nicht „erfühlt“ werden.

3. Sie arbeiten unter anderem mit Mobilen Serviceteams. Wie wird dieses Angebot nachgefragt?
Prima. Hier erleben wir einen wirklichen Nachfrageschub und mitunter können wir die Nachfrage nicht bedienen. Zeitgleich nimmt die Qualität der mobil nachgefragten Leistungen zu. Heute werden beispielsweise früher nur in der Werkstatt denkbare präventive oder korrektive Instandhaltungsmaßnahmen oder Radsatzwechsel problemlos mobil ausgeführt. Zusammen mit unseren Kunden arbeiten wir aktuell an einer weiteren Verschiebung von Leistungen aus der Werkstatt hin zum mobilen Feldeinsatz.

4. In fünf Werkstätten führen Sie in Deutschland sowohl vorbeugende als auch behebende Wartung durch. Gibt es bei Ihnen technische Innovationen?
Technische Innovationen finden wir überall, eher im kleinen als im ganz großen Stil. Hervorheben möchte ich unser Workflow-Projekt in der Radsatzaufarbeitung. Hier schaffen wir das altehrwürdige Papier komplett ab und unterstützen den Arbeiter vor Ort durch eine gelenkte Prozessfolge. Am Ende wollen wir dem Kunden verbindliche und sehr knappe Zeitfenster für die Aufarbeitung nennen, um die Einsatzfähigkeit seiner Flotte erhöhen zu können. Oder nehmen wir die Reparatur von zugesetzten WC-Verrohrungen im eingebauten Zustand durch eine von uns entwickelte hydraulische Spülung.

5. Ihr Mutterkonzern sitzt in Schweden. Gibt es dort eine unterschiedliche Wartungsphilosophie, die auch für Deutschland interessant sein könnte?
Schweden ist das Mutterland der Liberalisierung im Schienenverkehr. Wir beobachten eine stärkere Ausprägung von präventiven Wartungskonzepten gegenüber Deutschland, und das nicht nur auf Grund der klimatisch anspruchsvolleren Bedingungen. Weiterhin hat unsere Muttergesellschaft ein Split-Maintenance-System für die betriebsnahe Instandhaltung entwickelt, das die Verfügbarkeit von Triebfahrzeugen erhöht. Langen Standzeiten für eine Revision wird hiermit entgegengearbeitet.


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Interviews
Artikel von Interview aus der ETR, Ausgabe 6/2013
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