Großbaustelle Stuttgart – bis zum 12. September werden S-Bahn und Gäubahn runderneuert

Dieser Ersatzfahrplan gilt bis zum 12. September 2021; Quelle: VVS

Im Großraum Stuttgart häufen sich derzeit die Baustellen auf Bahnstrecken. Bei der Organisierung des Ersatzverkehrs hilft auch die Mobilitätsplattform für On-Demand-Busse der DB-Tochter ioki.

Die Modernisierungsarbeiten begannen am 31. Juli. Bis zum 12. September werden an den Stationen Hauptbahnhof (tief), Stadtmitte, Feuersee, Schwabstraße, Universität und Österfeld wegen Bauarbeiten keine S-Bahnen halten. Die Metropolregion Stuttgart wird der erste digitalisierte Bahnknoten in Deutschland und ist damit Vorzeigeprojekt für die Digitale Schiene. Bedeutender Bestandteil dieses Bahnknotens ist die als Stammstrecke bezeichnete innerstädtische Tunnelstrecke der S-Bahn zwischen Stuttgart Hauptbahnhof und Stuttgart-Vaihingen.

Raum Stuttgart bekommt ETCS

Ziel ist es, bis 2030 die Stammstrecke, alle Strecken des Projekts Stuttgart 21 sowie große Teile des S-Bahn-Netzes der Region Stuttgart mit dem Europäischen Zug-Kontroll-System ETCS, digitalen Stellwerken und automatisiertem Fahrbetrieb mit Triebfahrzeugführern auszustatten. Deshalb wird es auch in den Sommerferien in den kommenden Jahren auf den Bahnlinien Bauarbeiten geben. Im Tunnel der S-Bahn-Stammstrecke erneuert die DB alle zwölf Weichen und tauscht zwischen dem Bahnhof Stuttgart-Vaihingen und dem Beginn des S-Bahn-Tunnels in Stuttgart-Österfeld 2,4 Kilometer Gleise vollständig aus. Die neuen Gleisanlagen verbessern die Zuverlässigkeit der Strecke und tragen zu einem stabileren S-Bahn-Verkehr bei, ist sich die Deutsche Bahn sicher.

Um die Mobilfunkabdeckung im Tunnel deutlich zu verbessern, ersetzt Vodafone zwischen Stuttgart-Österfeld und Stuttgart-Bad Cannstatt die an der Strecke bereits vorhandenen Repeater und baut zusätzlich neue ein. Dadurch können Fahrgäste auch digitale Dienste – wie etwa das innovative Zugportal in den S-Bahnen – zuverlässiger nutzen. Alle Fahrzeuge der S-Bahn Stuttgart sind seit 2019 komplett mit WLAN ausgestattet. Die Haltestelle Hauptbahnhof (tief) erhält einen neuen Bodenbelag, frische Wandpaneele, renovierte Treppenhäuser und eine neue Beleuchtung. Ein taktiles Wegeleitsystem und Brailleschriftbilder werden für eine weitreichende Barrierefreiheit sorgen. In die Sanierung der Stammstrecke werden nach DB-Angaben rund 38 Millionen Euro investiert.

Auch die Gäubahnstrecke zwischen Stuttgart und Singen (Kreis Konstanz) sowie zwischen Eutingen im Gäu (Kreis Böblingen) und Freudenstadt wird bis zum 26. September für rund 17 Millionen Euro modernisiert. Dabei soll der Bahnhof Ergenzingen (Kreis Tübingen) komplett barrierefrei werden. Auch Oberleitungen und Weichen werden erneuert, teilweise neue Schienen verlegt. Während der Arbeiten auf der Gäubahn kommt es abschnitts- und zeitweise zu Streckensperrungen oder anderen Einschränkungen im Zugverkehr. Betroffen sind überwiegend der Abschnitt zwischen Stuttgart und Freudenstadt sowie der Halt in Ergenzingen. Es fahren Ersatzbusse für die Fahrgäste. Die IC-Linie Stuttgart-Singen (Hohentwiel)-Zürich fällt zeit- und abschnittsweise ganz oder zweistündlich aus. Nur die S-Bahn fährt den Stuttgarter Hauptbahnhof vom 30. Juli bis 12. September von der Gäubahn an.

Ersatzverkehr mit Bussen

Um die Mobilität in der Region trotz der Bauarbeiten weitgehend aufrechtzuerhalten, fahren S- und Regionalbahn nach geändertem Fahrplan und setzen auch Busse im Ersatzverkehr ein.  60 Helfer*innen in Warnwesten weisen Reisenden vor allem am Hauptbahnhof den Weg zum Ersatzverkehr. Doch in den Bussen fehlte zunächst jedwede Lautsprecherdurchsage zu den angefahrenen Haltestellen. So stiegen wiederholt von Auswärts kommende Reisende an den falschen Halten aus. Erst nach heftigen Klagen der Nutzer*innen sagte die Deutsche Bahn zu, die Busse mit einer automatisierten Ansage nachzurüsten.

Auch sonst seien die Verantwortlichen durchaus „etwas nervös“, heißt es bei der Stuttgarter S-Bahn. Denn für eine so lange Zeit ist die Stammstrecke zum ersten Mal seit 1978 gesperrt. Ohne Unannehmlichkeiten geht das für die Kund*innen nicht ab. In einen S-Bahn-Langzug passen beispielsweise bis zu 1.000 Personen, zehnmal mehr als in einen Ersatzbus. Zudem müssen Reisende deutlich mehr Fahrzeit einplanen. Daher verweist die Bahn sicherheitshalber auch darauf, dass im Innenstadtbereich für kurze Fahrten zum Beispiel auch Leihfahrräder und -pedelecs von RegioRad Stuttgart eine Alternative seien.

Nicht zuletzt auch an Student*innen richtet sich ein Angebot, das offenbar sogar zur Bildung von Neo-Anglizismen reizt. Ein „barrierefreier On-Demand-Service ergänzt den klassischen Schienenersatzverkehr auf den zwei Linien SEV1 und SEV2 zwischen Stuttgart Hauptbahnhof und Vaihingen“, informiert dazu die S-Bahn Stuttgart. „Das Wochenend-Shuttle verbindet Vaihingen mit der Universität. Zusätzlich zu den bekannten S-Bahn-Stationen hält der Bus je nach Bedarf an virtuellen Haltestellen. Dieses Angebot besteht am Samstagabend von 20 Uhr bis 24 Uhr sowie am Sonntag von 10 Uhr bis 20 Uhr. Das Nacht-Shuttle ist ein Angebot für Nachtschwärmer. Der Bus holt euch nach der Buchung in eurer Nähe ab und shuttelt euch direkt zwischen Vaihingen und der Innenstadt. Dieser Service wird jeweils samstags und sonntags von 0 Uhr bis 6 Uhr morgens angeboten.“

ioki regelt On-Demand-Shuttle

Somit ist jetzt klar: Ein Shuttle pendelt nicht einfach nur, sondern er/es shuttelt (der männliche sowie der sächliche Artikel für ein Pendel-Fahrzeug sind laut Duden zugelassen). Dieser flexible Sonderdienst wird über die neue App S-Bahn OnDemand oder telefonisch bestellt. „In Stuttgart kommen dazu Kleinbusse mit bis zu 20 Sitzplätzen zum Einsatz“, berichtet dem bahn manager eine Sprecherin. „Als Experte für Mobilitätsanalysen liefert die Deutsche Bahn-Tochter ioki für diesen „Ersatzverkehr on demand“ die technische Plattform, bestehend aus Fahrgast-App, Fahrer-App und Schaltzentrale. DB Regio Bus übernimmt den Betrieb der Busse.“

 Dr. Michael Barillère-Scholz, Geschäftsführer von ioki, ist auf dieses neue Angebot stolz: „On-Demand-Services als Schienenersatzverkehr einzusetzen, ist ein absolutes Novum und zeigt, welches Potenzial digitale und flexible Angebote für den öffentlichen Nahverkehr besitzen. Wir denken Mobilität immer ganzheitlich, nutzerfokussiert und effizient. Mit dem On-Demand-Verkehr stärken wir während der Streckensperrung nachhaltig den ÖPNV in Stuttgart und ergänzen die Mobilität auf der Schiene.“ Über die On-Demand-App können Fahrgäste eine Fahrt buchen, iokis intelligenter Algorithmus fasst Fahrtwünsche zusammen und berechnet den individuellen Fahrweg. So ergänzen virtuelle Haltestellen in unmittelbarer Nähe der Zieladresse die Mobilität am Wochenende außerhalb der Kernzeiten. (red./db/hfs)

Bahn Manager
Artikel Redaktion bahn manager
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