Zeit ist Geld, Flexibilität ist Trumpf

Michael Küster; Quelle: DEVK

Michael Küster ist Experte für betriebliche Vorsorge- und Versicherungslösungen für Verkehrsunternehmen sowie für Personalthemen. Neben seiner Tätigkeit für die DEVK ist er Geschäftsführer des Forums für Verkehr und Logistik. Gegenüber dem Bahn Manager erklärt er, warum Zeitwertkonten ein Muss in jeder Personalstrategie sind.

Welche Folgen hat die Corona-Krise für den Arbeitsmarkt?

Michael Küster: Die Pandemie hat die Arbeitswelt massiv verändert. Für viele Menschen ist die Arbeit von zu Hause aus auch nach Corona nicht mehr wegzudenken. Das hängt eng mit dem Wunsch zusammen, seine Arbeits- und Lebenszeit flexibler nutzen zu können. Dieses Bedürfnis haben auch Fachkräfte, die nicht von zu Hause arbeiten können. Mit Angeboten wie Zeitwertkonten bekommen alle Mitarbeitenden die Möglichkeit zu mehr Flexibilität.

Wie funktioniert ein Zeitwertkonto konkret?

Man kann sich ein Zeitwertkonto wie ein Sparschwein für Arbeitszeit vorstellen: In der Ansparphase können Mitarbeitende Teile ihres Bruttogehalts, Sonderzahlungen oder Überstunden auf dem Zeitwertkonto gutschreiben lassen, wo das Geld attraktiv verzinst wird. Das angesparte Geld können die Mitarbeitenden dann variabel als Zeit nutzen: für Weiterbildung, Sabbatical oder Weltreise, die Pflege von Angehörigen, Altersteilzeit oder um früher in den Ruhestand zu gehen. In dieser Zeit erhalten sie dann das volle Gehalt, wahlweise auch weniger.

Warum sollten Arbeitgeber ihren Beschäftigten dieses Angebot machen?

Der Kampf um Fachkräfte und Nachwuchs in der Verkehrsbranche spitzt sich zu. Dabei konkurrieren Unternehmen nicht nur untereinander, sondern auch mit anderen Bereichen wie der Industrie. Sie brauchen daher ein überzeugendes Angebot für die Work-Life-Balance ihrer Mitarbeitenden. Viele Bewerberinnen und Bewerber fragen mittlerweile schon im Vorstellungsgespräch, ob ihr potenzieller Arbeitgeber ein Zeitwertkonto anbietet. Das ist kein Generationen-Thema. Egal, ob Berufseinsteigende oder Expertinnen und Experten: Zeitwertkontensteigern die Arbeitgeberattraktivität. Zudem sind sie für beide Seiten eine gute Lösung für die Abgeltung von Überstunden.

Wie verbreitet sind solche Konten bereits in der Branche?

Seit 2021 bieten viele Eisenbahnverkehrsunternehmen Zeitwertkonten über ihre Haustarifverträge an. Außerdem haben schon mehrere große Verkehrsunternehmen wie die Kölner Verkehrs-Betriebe und Üstra Hannoversche Verkehrsbetriebe diese Möglichkeit für ihre Mitarbeitenden geschaffen. Wir als DEVK haben langjährige Erfahrung in der Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn.

Haben Sie Tipps für die Umsetzung?

Am besten suchen sich Unternehmen einen Kooperationspartner, der die besonderen Anforderungen der Branche gut kennt. Wichtig ist, dass man das Thema kommunikativ begleitet und den Mehrwert transparent macht. Viele Unternehmen befürchten, dass sie den zusätzlichen Aufwand nicht stemmen können. Hier kann ich ausdrücklich Entwarnung geben: Erfahrene Anbieter wissen, worauf man bei der Einführung in bestehende Prozesse achten muss. Sie helfen den Unternehmen ganzheitlich, damit diese sich weiter auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können.

Das Interview aus der Ausgabe Bahn Manager 6/21 führte Manuel Bosch

Bahn Manager
Artikel Redaktion bahn manager
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