Alf Henryk Wulf

"Die Energiewende eröffnet neue Möglichkeiten"

Alstom will die Unternehmensbereiche Energie und Bahntechnik stärker verknüpfen. ETR sprach mit Alf Henryk Wulf über mögliche Synergien.

 

1. Sie wollen bei Alstom Synergien zwischen dem Energiebereich und dem Bahnbereich nutzen. Warum?

Die Bahngesellschaften setzen vermehrt auf Strom aus erneuerbaren Energien. Die Deutsche Bahn hat angekündigt, bis 2050 zu 100 % mit Energie aus regenerierbaren Quellen fahren zu wollen. Das ist ein großes Ziel. Es bedeutet, dass die Energiewende uns Möglichkeiten eröffnet, die es bisher noch nicht gab.

2. Wodurch?

Die Bahn hat schon jetzt den großen Umweltvorteil, dass sie mit einem hohen Stromanteil fährt. Jetzt kümmert man sich auch noch darum, dass man mit einem großen Anteil erneuerbarer Energien fährt, aus grünen Quellen. Fakt ist, dass die Bahn zusätzliche Quellen braucht, aus denen sie Strom beziehen kann, als das bisher der Fall ist. Daran wollen wir mitwirken. Die regenerativen Energien bringen neue Herausforderungen, die Größte: Wie bringe ich die Energie dahin, wo ich sie brauche? Energieverteilung ist ein großes Thema, das zum Kern-Know-how von Alstom gehört.

3. Welche technischen Anforderungen an die Bahntechnik stellt die Energiewende?

Speziell für die Bahn stellt sich immer die Problematik, dass wir mit einer anderen Netzfrequenz arbeiten, mit 16,7 Hz statt 50 Hz. Immer wenn wir Netzübergänge haben, brauchen wir Frequenzumrichtung. Das schafft gewisse Herausforderungen, da man immer dezidierte Übergänge schaffen muss, ist aber kein Grundsatzproblem. Die Technik beherrschen wir.

4. Wie setzen Sie die Synergien um?

Unsere Entscheidung, in die Hybridtechnologie zu gehen, kommt natürlich aus dem Energiebereich, wie auch das Ziel, Lokomotiven bauen zu wollen, die man mit Windstrom laden kann.

5. Welche technischen Fragen stellen sich beim Rolling Stock?

Die Betriebszeiten sind lang. In der Regel kann man nur kurze Zeit nachts laden. Wenn man Plug-in Hybrids fährt, muss man dann in der Lage sein, in der kurzen Zeit die Akkus vollständig wieder aufzufüllen. Das ist eine Frage der Strommenge, die man bereitstellen kann, des Anschlusswertes und auch der Ladefähigkeit der Akku-Packs. Technisch ist das nicht trivial, denn man kann die Strommenge nicht beliebig erhöhen. Hier haben wir jede Menge Know-how angesammelt. Die H3, die das Prinzip perfektioniert, ist nach einem Baukastenmodell konstruiert. Wir können auf einem Fahrgestell mit drei elektrischen Antriebsmotoren, einem pro Achse, die drei anderen Packs dazugeben, den großen Diesel, den großen Generator oder den kleinen mit Akkupacks. Dieser Mix ist das große Unterscheidungsmerkmal.

 

Interviews
Artikel von Kurzinterview aus der ETR, Ausgabe 10/12
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