Dr. Sami Atiya

"Touchscreen für bessere Entscheidungen"

Siemens Mobility and Logistics arbeitet an einem softwarebasierten Störungsmanagement, das maßgeschneiderte Lösungen für Disposition und Wartung vorschlägt. Das neue Betriebsleitsystem arbeitet mit einer Touchscreen-Oberfläche.

 

1. Der riesige Touchscreen ist beeindruckend. Ist die neue Darstellungsform nur eine Anpassung an neue Sehgewohnheiten im Zeitalter der Tablet-Computer?

Hinter der neuen Oberfläche verbirgt sich ein neuer Ansatz in der Betriebsleittechnik. Wir sind davon überzeugt, dass die Infrastruktur, selbst wenn sie weiter wie geplant ausgebaut wird, nicht die steigenden Anforderungen aus dem Personen- und Güterverkehr decken kann. Wir brauchen deshalb mehr Durchsatz und mehr Automatisierung auf der bestehenden Infrastruktur. Wir gehen deshalb in der Automatisierungspyramide stärker nach oben und erhöhen so die Produktivität, ohne die Sicherheit zu beeinträchtigen. Die neue Plattform zielt auch auf den Ausbau des intermodalen Verkehrs, also auf eine größere Verlinkung der unterschiedlichen Verkehrswege.


2. Was steckt unter der Oberfläche?

Bei der Bahnautomatisierung spielt die IT eine große Rolle. Ziel unserer neuen Software ist es, dem Benutzer alle relevanten Informationen zu geben, um bessere Entscheidungen treffen zu können. Unsere neue IT umfasst zum einen die Disposition, zum anderen die Instandhaltung und Wartung und verknüpft diese beiden System miteinander. Dadurch sind die Informationen aus dem einen System für Entscheidungen im anderen System nutzbar. 


3. Ein Beispiel?

Es gibt eine Störung. Der Disponent sieht sofort, ob eine andere Strecke frei und damit eine Umleitung möglich ist. Er sieht, ob ein Servicetechniker in der Nähe und verfügbar ist. Die Plattform informiert ihn auch darüber, wie viel eine Umleitung kosten wird. Seine Entscheidungen werden von der IT gespeichert, nach verschiedenen Parametern ausgewertet und fließen aufbereitet wieder in die Informationsplattform zurück.

 

4. Ein Instrument, um das gesamte Unternehmenswissen für den Einzelnen nutzbar zu machen und die Firmenpolitik für Entscheidungen zu hinterlegen.

Ja. Das ist die Leitzentrale der Zukunft. Die neue Touchscreen-Oberfläche erhöht die Übersichtlichkeit. Sie ist für den Einzelnen leichter zu bedienen und beschleunigt durch die größere Übersichtlichkeit die Diskussion im Team. 


5. Muss ein Unternehmen eine bestimmte Größe haben, damit sich die neue Betriebsleitplattform amortisiert?

Wir haben für die InnoTrans 2012 die Plattform für den Fernverkehr ausgerichtet, doch lässt sich diese auch für die Anwendungen im Nah- und Fernverkehr nutzen. Die Probleme sind die gleichen, die einzubeziehenden Parameter und die Optimierungs-Algorithmen sind ähnlich: Parameter sind unter anderem Streckenlängen, die Verfügbarkeit von Personal und Material sowie die Kosten.


Hier können Sie sich das Interview als pdf herunterladen.

Interviews
Artikel von Interview aus der ETR, Ausgabe 3/2013
Artikel von Interview aus der ETR, Ausgabe 3/2013