Ralf Jahncke

"Auch im Verkehr die digitale Infrastruktur ausbauen"

Augenblicklich investiert die Bundesregierung real nur halb soviel in die Infrastruktur wie vor 30 Jahren, hat die TransCare GmbH in einer Studie ermittelt. 22 Mrd. EUR pro Jahr sind notwendig, um die Zukunftsaufgaben zu meistern, meint Gründer und Geschäftsführer Ralf Jahncke.

1. Herr Jahncke, Sie haben die heutigen Infrastrukturausgaben mit Daten aus der Vergangenheit verglichen. Was zeigen die Ergebnisse?
Im Jahr 2012 standen für Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur Bundesmittel in Höhe von 10,5 Mrd. EUR bereit; für 2013 waren knapp 200 Mio. Euro mehr eingeplant. Ein Vergleich der Investitionen des Bundes in die Verkehrsinfrastruktur in den Jahren 1982, 1997 und 2012 zeigt allerdings, dass inflationsbereinigt , das heißt konkret auf die Preisentwicklung im Ingenieurbau bezogen, die Investitionen für Gesamtdeutschland 2012 mit 6,3 Mrd. EUR annähernd auf demselben Niveau wie 1982 lagen, als die Investitionen nur für das wesentlich kleinere Gleisnetz der alten Bundesländer eingesetzt wurden.

2. Welche Daten ergaben sich relativ zur Verkehrsleistung?
Die Verkehrsleistung, gemessen in Tonnen- und Personenkilometern (tkm/Pkm), hat sich in den vergangenen 30 Jahren mehr als verdoppelt. So nahm die Transport- und Beförderungsleistung von gut 825 Mrd. Leistungskilometern im Deutschland der alten Bundesländer im Jahr 1982 auf fast 1775 Mrd.  Leistungskilometer in Gesamtdeutschland im Jahr 2012 zu. Inflationsbereinigt wurde 2012 mit 0,36 Cent pro Leistungskilometer noch nicht einmal halb so viel investiert, als dies 1982 mit 0,74 Cent pro Leistungskilometer der Fall war. Würde man heute genauso viel wie 1982 investieren, müsste man  inflationsbereinigt 1,24 Cent aufwenden. Multipliziert mit den heutigen 1775 Mrd. Leistungskilometern wären für eine adäquate, dem Niveau von 1982 entsprechende Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur 22 Mrd. EUR statt die vorgesehenen knapp 11 Mrd. EUR im Haushalt zu budgetieren. Die Infrastruktur wird dramatisch vernachlässigt. Innerhalb von 30 Jahren haben sich die Ausgaben halbiert.

3. Könnten die geringeren Ausgaben nicht auch auf Produktivitätsfortschritte in der Erstellung zurückzuführen sein?
Sicher gibt es Produktivitätsfortschritte durch neue Maschinen und neue Materialien. Diese Fortschritte werden jedoch durch erhöhte Bauauflagen aufgefressen. Auch der Planungsprozess ist heute schwieriger, langwieriger und teurer. Ein Meter, der vor 30 Jahren 500 DM kostete, schlägt heute mit 1800 EUR zu Buche, wegen der erhöhten Planungskosten und Bauauflagen.

4. Wo ist die Belastung durch Auflagen höher, bei Schiene oder Straße?
Die Auflagen sind bei der Schiene höher als bei der Straße. Auch ist es hier schwieriger, neue Projekte umzusetzen, da die Bevölkerung sich bei der Schiene mehr als bei der Straße gegen Neubau wehrt. Straßen haben hier den Vorteil, dass sie von allen genutzt werden und deshalb die Akzeptanz größer
ist.

5. Wenn die Bevölkerung gegen neue Infrastrukturprojekte ist, woher soll dann der politische Druck für eine Verdoppelung des Infrastrukturhaushaltes auf 22  Mrd. EUR kommen?
Erneuerung der Infrastruktur bedeutet nicht unbedingt Neubau, sondern hauptsächlich Ersatz und Modernisierung. Der neue Verkehrsminister Alexander Dobrindt will ultraschnelle Breitband-Internetverbindungen auch in die letzten Winkel der Republik bringen, während die Bahn auf manchen Strecken bildlich gesprochen noch mit Rauchzeichen arbeitet. Ein Drittel der Stellwerke stammt noch aus Kaisers Zeiten. Auch im Verkehr muss die digitale Infrastruktur ausgebaut werden, damit die Kapazitätsauslastung verbessert werden kann. Intelligente Verkehrssteuerung auf Straße und Schiene kann ich nur mit modernster Infrastruktur erreichen.

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Artikel von Interview aus der ETR, Ausgabe 4/2014
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