Timon Heinrici

Kampf um DB-Vorstandsvorsitz: Am Ende weinen alle

Volker Kefer, stellvertretender DB-Chef, scheidet im Wettbewerb um den Chefposten aus.
 
Eines vorweg: Noch ist er da, Dr. Volker Kefer, Vorstand Infrastruktur, Dienstleistungen und Technik sowie stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn (DB). Und es ist auch nicht so, dass er seinen Posten räumen müsste. Das tut er auch gar nicht. Er verlängert seinen Vertrag nicht. Es gibt andere Manager in der Bahnbranche, die sich für das letzte Drittel oder Viertel ihres Lebens etwas anderes vorstellen können als Termindruck, Sitzungen, Reisen, die das Privatleben und die Pflege von Freundschaften zur Restgröße verkommen lassen.
Die Fülle an Aufgaben wird es aber nicht gewesen sein, die den 60-Jährigen zu seiner Entscheidung bewogen haben. Eher scheint es so, dass sich das Klima im DB-Vorstand mit Einzug von Ronald Pofalla, dem ehemaligen Kanzleramtschef und jetzigen Vorstand für Recht, Wirtschaft und Regulierung, verändert hat. Sowohl Pofalla als auch Kefer werden Ambitionen auf die Übernahme des Vorstandsvorsitzes nachgesagt. Zudem ist bekannt, dass der amtierende Vorstandsvorsitzende Dr. Rüdiger Grube, jetzt 64, noch gern einige Jahre weitermachen würde – wenn auch keine volle Amtsperiode von fünf Jahren.
Drei Anwärter also auf den Vorstandsvorsitz, der 2018 neu- oder wieder zu besetzen ist. Kefer verfügt über beste Qualifikationen. Er hat Elektrotechnik studiert, war in der Lokomotivfertigung tätig, leitete das Infrastrukturunternehmen DB Netz. Sein Umfeld bescheinigt ihm hohe Sachkunde und ausgeprägte analytische Fähigkeiten. Die Aufzählung der Kompetenzen ist sicherlich nicht vollständig.
Allerdings gab es auch Vorkommnisse, mit denen sich Kefer keine Freunde machte. So regierte er öffentlichkeitswirksam dem ehemaligen DB-Netz-Vorstandsvorsitzenden Oliver Kraft hinein, indem er ein Positionspapier zur Wirtschaftlichkeit des DB-Infrastrukturgeschäfts in Umlauf brachte anstatt eventuell notwendige Kurskorrekturen auf diskrete Weise anzustoßen. Zuletzt hieß es, Kefer sei die Machtfülle zu Kopf gestiegen; im Vorstand stünde er isoliert dar. Lediglich im Verkehrsvorstand Berthold Huber habe er noch einen Vertrauten.
Nun wendet sich vieles gegen den Super-Vorstand, das nicht so gut gelaufen ist und ihm bisher verziehen wurde. Dazu gehören Probleme bei der Beschaffung neuer ICE-Triebzüge, die Kosten- und Bauzeitentwicklung des Infrastrukturprojekts „Stuttgart 21“ und die Verwendung einer bis dahin nicht genehmigten Ausführung der Festen Fahrbahn auf den Brücken der Neubaustrecke Halle/Leipzig – Erfurt. An Kesseltreiben erinnert es, wenn nun auch der Vorsitzende der Gewerkschaft EVG seiner Empörung darüber Ausdruck verleiht, Kefer habe über die Baukostenentwicklung von Stuttgart 21 nicht rechtzeitig informiert. Kaum vorstellbar, dass die Vorstandskollegen Rüdiger Grube und Richard Lutz davon überrascht worden sein könnten. Sei dem, wie ihm wolle: Das Blatt hat sich gegen Kefer gewendet. Dass dies einmal der Fall sein könnte, dürfte ihn angesichts der Risiken, die er als Chef von Infrastruktur und Technik managen muss, nicht überrascht haben. Möglicherweise profitiert nun Pofalla der als Chef des Bundeskanzleramts Einfluss auf die Bahn auszuüben suchte, Stuttgart 21 weiter zu bauen. Möglicherweise profitiert aber auch keiner. Bisher war es nie so, dass ein amtierender Vorstand zum Vorstandschef aufrückte. Dann weinen alle.

Artikel von Standpunkt aus Rail Business, Ausgabe 25/16
Artikel von Standpunkt aus Rail Business, Ausgabe 25/16