5 Fragen an Karin Paulsmeyer

Karin Paulsmeyer im Gespräch; Quelle: Fokus Bahn NRW

Um dem Mangel an Triebfahrzeugführerinnen und Triebfahrzeugführern in Nordrhein-Westfalen abzuhelfen, gibt es das Bündnis Fokus Bahn NRW. Karin Paulsmeyer leitet die dazugehörige Stabsstelle im Ministerium.

Fokus Bahn NRW und National Express haben zusammen mit Lokspace einen Online-Lehrgang für die theoretische Umschulung zur Triebfahrzeugführerin oder Triebfahrzeugführer entwickelt. Warum dieser Online-Ansatz?

Als Branchenbündnis unter Federführung des NRW-Verkehrsministeriums wollen wir nachhaltige Lösungen für den Triebfahrzeugführer-Bedarf entwickeln, also Wege aufzeigen, um Mangelsituationen, die wir heute überall in der Branche erleben, zukünftig zu vermeiden. Das heißt konkret: Im NRW-SPNV werden rund 40 Prozent der Mitarbeiter in den nächsten 5 Jahren in den Ruhestand gehen. Der Bedarf wird jedoch – anders als bei Betriebsaufnahmen – nicht mehr konzentriert an einzelnen Standorten zu decken sein, sondern über NRW verteilt für verschiedene Einsatzstellen. Für einzelne Unternehmen wird es so schwierig, an einem Ort einen Kurs zu füllen. Für Bewerber bedeutet dies monatelange Wartezeiten und lange Anfahrtswege bis zum nächsten Kursangebot. Im Wettbewerb um Fachkräfte können wir uns das kaum leisten. Digitale Ausbildungsformen können ein Ansatz sein, bedarfsgerechter und schneller zu agieren.

Der erste Kurs findet zusammen mit National Express statt. Sind weitere Online-Lehrgänge geplant beziehungsweise soll der theoretische Teil der Umschulung zukünftig nur noch Online stattfinden?

Wir werden diesen Pilotkurs zunächst intensiv begleiten und bewerten, ob beziehungsweise wo gegebenenfalls nachzubessern ist. Die Anforderungen an die Triebfahrzeugführer-Ausbildung sind zu Recht sehr hoch, da verbieten sich „Schnellschüsse“. Das enorme Interesse von 180 Bewerbern innerhalb einer Woche bestärkt uns zugleich, diesen Ansatz weiter zu verfolgen.

Erhalten die Umschülerinnen und Umschüler ein Gehalt während der Umschulung und sind sie danach für mehrere Jahre an das sie ausbildende Unternehmen gebunden, in diesem Fall National Express?

Für den Unterhalt wie für die Umschulung gibt es verschiedene Finanzierungsvarianten. Bei Finanzierung durch das Unternehmen besteht während der ersten zwei Jahre eine anteilige Rückzahlungsverpflichtung.

Nordrhein-Westfalen hat einen großen Bedarf an Triebfahrzeugführerinnen und Triebfahrzeugführern – wäre ein Personalpool, wie jüngst in Baden-Württemberg eingeführt, mittelfristig auch eine Lösung für das Verkehrsministerium?

Wir prüfen grundsätzlich alle Modelle, die geeignet sind, Triebfahrzeugführer-Mangel zukünftig zu vermeiden, und ich bin mir sicher, dass die Bundesländer dabei viel voneinander lernen können. In diesem Sinne sind wir auch für den Erfahrungsaustausch zum Thema Personalpool offen.

Welche weiteren Projekte sind geplant, um das Angebot an Triebfahrzeugführerinnen und Triebfahrzeugführern in NRW zu erhöhen?

Eine Vielzahl von Projekten ist schon auf dem Weg. Über unsere Kampagnen konnten wir einige Tausend Bewerber für den Triebfahrzeugführer-Beruf gewinnen, spezielle Maßnahmen gelten der Werbung von Frauen. Rund 80 Migranten durchlaufen in diesem Jahr spezifische Unterstützungskurse. Unter anderem ist ein Patenprogramm zur Verringerung der Durchfallquoten in Vorbereitung.

 

Dieses Gespräch ist in der Ausgabe Eisenbahntechnische Rundschau 9/2020 veröffentlicht.

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Artikel Redaktion Eurailpress
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