GSM-R-Störung legte Verkehr bundesweit lahm
Aufgrund eines Ausfalls des digitalen Zugfunks GSM-R stellte die Deutsche Bahn (DB) am späten Abend sämtliche Abfahrten aus Bahnhöfen ein und versuchte, Züge auf freier Strecke zum nächstgelegenen Haltepunkt zu bringen. Güterzüge wurden möglichst auf Abstellgleise geleitet. Im Rahmen einer „Großlagen-Situation“ wurden alle Zugbetreiber über die Netzleitung aufgefordert, mitzuwirken. Die Störung war gegen 1 Uhr heute Morgen nach rund 90 Minuten behoben.
„Ursächlich für die gestrige Störung des digitalen Bahnfunks GSM-R war aus derzeitiger Sicht der planmäßige Tausch einer technischen Komponente“, sagte der Vorstandsvorsitzende von DB InfraGo, Philipp Nagl, heute Vormittag. Wie genau es zur Störung kam, analysiere man mit höchster Priorität. Aus Konzernkreisen war zu erfahren, dass, nachdem die Lage anfangs unübersichtlich war, bereits in der Nacht ein Cyberangriff mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden konnte. Unter anderem deshalb konnte der Betrieb auch nach nur rund anderthalb Stunden wieder aufgenommen werden. Nun gilt es zu verstehen, was genau beim Austausch der von Nagl angesprochenen Komponente passierte und warum es zu einem großflächigen Ausfall kam. Im Rahmen planmäßiger Wartung werden regelmäßig Teile von GSM-R-Anlagen aus- und eingebaut. Zudem gibt es sowohl eine eingebaute Redundanz (doppelte Zentralen) als auch eine Rückfallebene (das öffentliche Mobilfunknetz). In diesem Fall wurde die Redundanz aber erst verzögert aktiviert. Das System ist seit über zwei Jahrzehnten im Betrieb und die Situation von gestern Abend hat es Rail Business-Informationen zufolge so noch nicht gegeben. Es ist wohl derzeit nicht einmal klar, ob die Fehlerursache hard- oder softwareseitig zu verorten ist. Während Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) eine umfassende Aufklärung forderte und der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, Tarek Al-Wazir (Grüne), die „spannende Frage eher langfristig“ darin sah, wie Systeme widerstandsfähiger gemacht werden könnten, zeigte sich NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) erschüttert von einem neuen „Tiefpunkt bei einer ohnehin schwachen Betriebsqualität“.
Da er verstärkt nachts fährt, war vor allem der Schienengüterverkehr vom Ausfall betroffen. Lokführer verloren in Folge der Störung unterwegs Fahrzeit und müssen an Ort und Stelle abgelöst werden. So schrieb Neele Wesseln, Geschäftsführerin des Verbands Die Güterbahnen, am Morgen: „Seit Mitternacht rollen zwar vereinzelt wieder Züge. Circa die Hälfte unserer Güterzüge steht aber verteilt im Land und an den Grenzen noch immer still.“ Die Lage sei extrem angespannt; es werde Tage dauern, den Logistik-Stau abzuarbeiten. (bm)