Bekommt Hamburg eine Hyperloop-Referenzstrecke?

Eine Hyperloop-Teststrecke in einem alten, stillgelegten Eisebahntunnel in Hamburg? Die Lösung hätte ihre Vorteile. Das Bild wurde mit ChatGPT erzeugt, um eine Vorstellung von der Idee zu vermitteln - in der Realität sähe die Lösung anders aus. Quelle: ChatGPT
Unabhängig vom Referendum „bleibt das grundsätzliche Interesse und Engagement des Senats an innovativen Mobilitätslösungen wie dem Hyperloop bestehen“, teilte Renate Pinzke, Sprecherin der Behörde für Verkehr und Mobilitätswende, auf bahn-manager-Anfrage mit. „Nach dem Rückzug aus dem Bewerbungsverfahren beim Deutschen Olympischen Sportbund begleitet die Stadt das Projektkonsortium weiterhin als assoziierter Partner und unterstützt in diesem Rahmen bei dem Vorhaben einer Hamburger Hyperloop-Referenzstrecke.“
Im Zuge der Kampagne für die Olympischen Spiele in Hamburg und Schleswig-Hostein für die Jahre 2036, 2040 oder 2044 hatte Peter Tschentscher, Erster Bürgermeister der Hansestadt, ins Spiel gebracht, dass eine Hyperloop-Trasse von Hamburg nach Kiel gebaut werden könnte, wo unter anderem Segelwettbewerbe ausgetragen werden sollten.
Der Grund für das Festhalten Hamburgs am Hyperloop: Der Verkehrsträger werde auf Landes- und auf Bundesebene „als zukunftsweisende Technologie“ in den Koalitionsverträgen genannt, so Renate Pinzke weiter. Die EU-Kommission sieht den Verkehrsträger ebenfalls positiv, lässt auch Fördermittel fließen. Hamburg stehe daher „im engen Austausch mit relevanten Akteuren und beobachtet die Entwicklungen auf Bundes- und europäischer Ebene aufmerksam“, so die Sprecherin.
Gemeint ist damit unter anderem das Konsortium Mode5, das wiederum von der DRO Deutsche Rail Operations angeführt wird, deren CEO der Ex-Deutsche-Bahn-Manager Dieter Michell-Auli ist. Die DRO habe für Mode5 „das Betriebskonzept und die betrieblichen Anforderungen entwickelt, nach denen die Partner des Konsortiums Fahrzeug und Infrastruktur konzipieren und aufbauen werden“, erläuterte Michell-Auli auf Anfrage von bahn manager.
Wer genau zu Mode5 gehört, wollte er noch nicht sagen. „Mit dem Antrag für die Bundesmittel werden wir die Mitglieder des Konsortiums veröffentlichen“, so der Manager. Immerhin so viel verriet er: Teil des Konsortiums seien „die wesentlichen Player der deutschen Wissenschaft und Wirtschaft“.
Wichtig sei nun, dass es zeitnah zum Bau einer Referenzstrecke komme, um den Beweis zu erbringen, dass die Technologie funktioniert und sich wirtschaftlich rechnet, sagte Michell-Auli. Auch mögliche Standorte für eine solche Teststrecke hat die DRO schon identifiziert. „In der Nähe von München stünde gegebenenfalls eine etwas längere Strecke auf dem ehemaligen Militärflughafen Fürstenfeldbruck zur Verfügung“, so der Manager. Hier sei allerdings aufgrund von Planfeststellung und Umweltverträglichkeitsprüfung mit „längeren Genehmigungsverfahren“ zu rechnen.
Als Alternative nennt der Manager daher noch einen ganz anderen Standort – und hier kommt wieder Hamburg ins Spiel. Eine Referenzstrecke könne im Schellfischtunnel gebaut werden, einem stillgelegten Eisenbahntunnel aus dem 19. Jahrhundert, der rund einen Kilometer lang ist und den Bahnhof Altona mit dem Fischereihafen Altona verbindet. Der Tunnel sei ein idealer Standort, weil „weder Anwohner gestört würden noch die Umwelt beeinträchtigt wird“, sagte Michell-Auli.
Eine Hyperloop-Referenzstrecke in einem stillgelegten Eisenbahntunnel unter dem Innenstadt-Bereich? Was sagt die Hamburger Verkehrsbehörde dazu? Sprecherin Renate Pinzke hielt sich auf Nachfrage bedeckt: „Konkrete Planungen oder Entscheidungen zum Bau einer Referenzstrecke in Hamburg bestehen derzeit nicht.“
Ähnlich äußerte sich das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), das im Bund für den Hyperloop zuständig ist. Den Plänen für den Standort einer Referenzstrecke könne „nicht vorgegriffen werden“, teilte ein Sprecher mit. Wohl aber sei es erklärtes Ziel, „dass wir Forschung und Entwicklung für eine nationale Hyperloop-Referenzstrecke unterstützen“.
Einen Ansprechpartner für das Thema hat das BMFTR laut Michell-Auli im Mai benannt. Mit Referatsleiter Ingo Höllein seien „alle Beteiligten“ inzwischen „sehr aktiv“ im Gespräch, sagte der DRO-Chef. Laufe alles glatt, könnten Funktion, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit des Hyperloops noch in dieser Legislaturperiode erbracht werden.
Einen solchen Erfolg könnten die Verfechter der Hyperloop-Idee auch deshalb gebrauchen, weil die Community zuletzt vor allem in Europa erhebliche Rückschläge einstecken musste. Sowohl das bekannte Hyperloop-Startup Zeleros sowie das niederländische Startup Hardt Hyperloop meldeten Insolvenz an. Innerhalb der Hyperloop-Szene heißt es, Zeleros wolle sich nun auf andere Lösungen konzentrieren. Hardt arbeite dagegen an einem Comeback, das in gar nicht allzu langer Zeit bekannt gegeben werde.
Ein drittes bekanntes Startup der Szene ist Hyperloop TT in den USA. Auf Anfrage von bahn manager teilte ein Sprecher mit: "Wir sind lebendig und wohlauf, obwohl unsere arbeit in letzter Zeit vielleicht etwas weniger sichtbar geworden ist." Auf Nachfrage, woran das Unternehmen derzeit konkret arbeite, erhielt bahn manager keine Antwort. (Georg Kern)
Diese Geschichte ist der Aktuellen Ausgabe von bahn manager entnommen, Heft 3/2026.