In Varanasi in Indien entsteht ein neues Kapitel urbaner Mobilität

In der indischen Millionenstadt Varanasi ist die erste städtische Seilbahn des Landes entstanden, um Verkehrsprobleme zu lösen. Quelle: Bartholet

Mit der ersten städtischen Seilbahn des Landes ­reagiert die indische Millionenstadt Varanasi auf wachsenden Verkehrsdruck und steigende Pilgerströme. Zwei Streckenabschnitte sind bereits fertiggestellt und behördlich abgenommen – die vollständige Inbetriebnahme aller ­Sektionen ist für Ende des Jahres vorgesehen. Ein Gastbeitrag von Svenja Senti, Leiterin Marketing bei Bartholet Ropeways.

 

Varanasi gilt als spirituelles Zentrum des Hinduismus. Mehr als 2000 Tempel prägen das Stadtbild, jährlich besuchen Millionen Pilgerinnen und Pilger sowie Touristinnen und Touristen die Stadt am Ganges. Die historische Bausubstanz, enge Straßen und stetig wachsender Individualverkehr bringen das bestehende Verkehrssystem zunehmend an seine Grenzen. Besonders die Verbindung zwischen dem Bahnhof Varanasi Cantt als zentralem Verkehrsknotenpunkt und dem Tempelbezirk Godowlia Chowk zählt zu den meistfrequentierten Routen der Stadt. Exakt hier setzt das neue Seilbahnsystem an: Die L-förmige Trasse führt in zwei Sektionen über insgesamt 3.660 Meter und verbindet fünf Stationen miteinander. Im Endausbau werden 148 moderne 10er-Panoramakabinen verkehren. Sie sind auf 29 Stützen mit Höhen zwischen sieben und 46 Metern geführt und können bis zu 3.000 Personen pro Stunde transportieren. Die Kabinen, gestaltet vom Porsche Design Studio, verbinden hohe Förderleistung mit einem klaren, funktionalen Designanspruch. Der tägliche Betrieb ist für über 16 Stunden vorgesehen.

Die Bauarbeiten schreiten planmäßig voran. Nach dem Spatenstich im September 2023 wurden zunächst die Seil­spleißarbeiten für den ersten Abschnitt vom Hauptbahnhof über die Station Vidya Peeth bis zur Station Yatra abgeschlossen. Während erste Testfahrten die technische Funktionsfähigkeit bestätigten, entstand parallel der zweite Abschnitt bis in den Tempelbezirk Godowlia Chowk. Inzwischen sind beide Sektionen baulich fertiggestellt und von den zuständigen Behörden erfolgreich abgenommen worden. Der Auftraggeber hat sich jedoch entschieden, sämtliche Sektionen gleichzeitig in Betrieb zu nehmen, um einen durchgängigen Betrieb vom ersten Tag an sicherzustellen. Derzeit laufen noch Arbeiten an den letzten Stationsverschalungen, die vollständige Eröffnung ist für Ende des Jahres geplant.

Während Seilbahnen in alpinen Regionen seit Jahrzehnten etabliert sind, gewinnt ihr Einsatz im urbanen Raum international zunehmend an Bedeutung. In dicht bebauten Städten bieten sie eine Alternative zu Straßen- oder U-Bahn-Systemen, da sie nur geringe Eingriffe in bestehende Infrastrukturen erfordern. Aufwendige Tunnel- oder Gleisbauarbeiten entfallen. Die Trasse schwebt über dem Verkehr und eröffnet neue Wege, ohne gewachsene Strukturen zusätzlich zu belasten. Gerade für Varanasi ist dieser Ansatz von strategischer Bedeutung. Die Stadt zählt rund 1,5 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner, hinzu kommen täglich tausende Besucherinnen und Besucher. Der Ausbau klassischer Verkehrssysteme stößt hier sowohl räumlich als auch wirtschaftlich an Grenzen. Die Seilbahn gilt deshalb als vergleichsweise kosteneffiziente Lösung mit kürzerer Realisierungszeit. Neben der Entlastung des Verkehrs verspricht das System auch eine Reduktion von Emissionen und Lärmbelastung im besonders sensiblen historischen Zentrum. Der bewusste Umgang mit Ressourcen sowie die Berücksichtigung ökologischer Aspekte waren zentrale Kriterien in der Systementwicklung.

Realisiert wird das Projekt im Rahmen eines Public-Private-Partnership-Modells. Konzessionsnehmer ist Vishwa Samudra Ropeways, der nach der Inbetriebnahme den Betrieb der Anlage für 15 Jahre übernehmen wird. Damit ist nicht nur der Bau, sondern auch der langfristige Betrieb strukturell abgesichert. Die Anlage ist als maßgeschneiderte Lösung konzipiert, exakt abgestimmt auf die topografischen, städtebaulichen und verkehrlichen Anforderungen vor Ort.

Für Bartholet markiert das Projekt einen wichtigen Schritt in der Weiterentwicklung urbaner Mobilitätslösungen. Mit 64 Jahren Erfahrung und umfassendem Know-how steht die Marke für Schweizer Qualität, Serviceorientierung und technische Kompetenz, die weltweit Vertrauen genießt. Mit dem Projekt in Varanasi wird diese Expertise erstmals im urbanen Kontext Indiens umgesetzt. Die neue Verbindung steht exemplarisch für einen Perspektivwechsel im öffentlichen Verkehr. Anstatt ausschließlich in zwei Dimensionen – auf Straße oder Schiene – zu denken, nutzt die Stadt künftig auch den Luftraum. Für Varanasi bedeutet das mehr als eine technische Innovation: Es ist ein infrastruktureller Schritt, der religiöse Tradition, historisches Erbe und moderne Mobilitätsanforderungen miteinander verbindet. Die Seilbahn schafft dahingehend Bewegung – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. So wird die Philosophie von Bartholet zur Realität: Die Seilbahn überwindet Hindernisse, eröffnet neue Wege und verbindet Menschen, Orte und Erlebnisse. Sollte sich das System im Betrieb bewähren, könnte es als Modell für weitere indische Städte dienen, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen.

Dieser Text ist der aktuellen Ausgabe von bahn manager entnommen (Heft 2/26), die kürzlich erschienen ist.

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