InfraGo erwägt, für FRMCS auf Nebenstrecken Public-Netze zu nutzen

InfraGo-Chef Philipp Nagl bei "Talk im Abteil" auf der InnoTrans im Gespräch mit Eurailpress-Chefredakteur Georg Kern. Quelle: Markus Wellmer/Eurailpress

Die InfraGo erwägt, für den Rollout von FRMCS nicht ausschließlich auf eigene 5G-Infrastruktur zu setzen - sondern auch auf Public- und Slice-Netze.

Das sagte Philipp Nagl, Vorstandsvorsitzender der DB InfraGo, auf der InnoTrans bei "Talk im Abteil", einem Interview-Format von Eurailpress. Die geplante Umstellung der Zugkommunikation von 2G auf 5G bringe "die Chance mit sich, zumindest in Teilbereichen, wo nicht die große Menge des Bahnverkehrs stattfindet, auch andere 5G-Netze zu nutzen", erläuterte der Manager. Das könnten Public-Netze sein, "man kann es technologisch aber auch so machen, dass man Netz-Slices speziell für den Bahnbetrieb zur Verfügung stellt". Die entsprechende Sicherheit für den Zugbtgrieb sei dennoch gewährleistet. Auch gingen keinerlei Funktionalitäten bei der Sprach- oder Datenvermittlung verloren.

Vorteile bringe die Mitnutzung von Public- oder Slice-5G-Infrastruktur anstelle einer vollständig DB-eigenen 5G-Infrastruktur vor allem mit Blick auf Budgetzwänge. Für 2G sei es noch möglich gewesen, "ein komplett eigenes, quasi bundesweites Mobilfunknetz" aufzubauen, erläuterte Nagl. "Das wird bei 5G schwieriger, weil man deutlich mehr Masten braucht." Das eingesparte Geld könne besser eingesetzt werden, beispielsweise für die Elektrifizierung von Strecken.

Mobilfunkanbieter haben angekündigt, dass sie den 2G-basierten Zugfunkstandard GSM-R nur noch bis 2035 weiterführen werden, danach soll nur noch die 5G-Technologie fortentwickelt werden. FRMCS setzt darauf auf. Der neue Standard bietet unter anderem deutlich geringere Latenzzeiten, funktioniert anders als GSM-R nicht mit Circuit Switching, sondern mit Paket Switching, ist also IP-basiert. Dabei wird FRMCS nicht nur das GSM-R Duplex Band 900 MHz gebrauchen, sondern es wurde auch exklusiv für Bahnkommunikation ein Band im 1900 MHz-Bereich reserviert, was allerdings die Reichweite reduziert.

Derzeit hat die DB etwa 3800 Basisstationen in Betrieb. Für das 1900er Band müsste sich die Zahl der Basisstationen - bei einem bundesweit flächendeckenden Betrieb entlang des DB-Netzes - Schätzungen zufolge in etwa verdoppeln. Im Podcast IT@DB sprach Rainer Fachinger, Leiter der Telekommunikationsplattform der DB bei der InfraGo, 2025 davon, dass er mit rund 16.000 Masten im Abstand von je etwa zwei Kilometern rechne, die für FRMCS aufgestellt werden müssten.

Bei "Talk im Abteil" spricht Philipp Nagl außerdem unter anderem über die Themen Digitaler Befehl sowie den ETCS-Rollout nach 2031. Das vollständige Gespräch sowie alle weiteren Talk-im-Abteil-Folgen, die auf der InnoTrans 2026 entstanden sind, finden Sie in unserer Mediathek: https://www.eurailpress.de/mediathek.html (gk)

 

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