Motivationskick vom Schiedsrichter - und digitale Helfer für Bahner

André Winkler, Leiter Vertrieb und Produktion der Regionen Deutschland Südwest und Mitte von DB E&C, spricht zu Besuchern des DigiTags. Neben ihm steht Eric Weisbach, Schiedsrichter in der 2. Bundesliga, der einen Motivationsvortrag hielt. Quelle: Eurailpress/Georg Kern
Sportgeschichten haben ihre eigene Faszination. Das zeigt sich auch beim DigiTag der DB E&C in Karlsruhe. Dicht gedrängt stehen die Besucher im größten der auf mehrere Räume verteilten Veranstaltung, als Eric Weisbach spricht. Der 29-Jährige ist Schiedsrichter in der 2. Bundesliga und hält einen Vortrag über „Schwierige Entscheidungen unter Druck“. Ein Thema, mit dem er das Publikum offensichtlich abholt: Beinahe alle der rund 150 Besucher der Veranstaltung haben sich zu dem Vortrag vor der Bühne eingefunden.
Über einen Mangel an Druck kann sich die Deutsche Bahn allerdings auch nicht beklagen. Im Konzern ändere sich gerade vieles, nicht zuletzt die zahlreichen geplanten Korridorsanierungen brächten große Herausforderungen mit sich, sagt André Winkler, Leiter Vertrieb und Produktion der Regionen Deutschland Südwest und Mitte bei DB E&C. Auch weil schwierige Situationen vor Ort oft unter hohem Zeitdruck gelöst werden müssten, entwickelten Mitarbeitende für die DB E&C immer wieder eigene innovative Lösungen, von denen auch Dritte profitieren könnten. „Heute präsentieren wir sie, um sie im Sektor bekannter zu machen.“
Ein Highlight des DigiTags ist etwa eine Drohne, die mit dem Laserscanner RIEGL VUX-120 ausgestattet ist. Mit bis zu 5 Millimeter Genauigkeit ließen sich damit Gleise beim Überflug aus der Luft vermessen – ein Grad an Präzision, der seinesgleichen suche, erläutert ein DB-E&C-Mitarbeiter, der die Lösung an einem Stand präsentiert. Bei der Bestandsvermessung für Planungsleistungen ließen sich Eingriffe in den Bahnbetrieb damit deutlich reduzieren – ein Vorteil vor allem für die Fahrgäste der Deutschen Bahn.
Einsetzbar ist die Drohne samt Scanner – wie viele andere Lösungen, die präsentiert werden – in Verbindung mit X2BIM. Auf der Cloud-basierten Datenplattform von DB E&C können unterschiedliche Informationen gesammelt werden, ob Punktwolkenbilder, Ortho-Fotos oder Vermessungsdaten. So entsteht ein digitales Archiv, auf das jederzeit zugegriffen werden kann. Wer Zugang zu welchen Daten hat, lässt sich bei X2BIM genau regeln.
Die meisten der Lösungen, die heute präsentiert werden, seien entstanden, weil Mitarbeitende vor Ort Verantwortung übernehmen, erläutert Winkler. Sie seien also unmittelbar „auf der Arbeitsebene entstanden“. Dabei diene der DigiTag heute auch als Netzwerkveranstaltung und keineswegs als reine Verkaufsveranstaltung. „Es ist erst einmal wichtig, die Existenz dieser Lösungen bekannt zu machen, bevor sie jemand nutzen kann. Außerdem brauchen wir den Austausch, um unsere digitalen Lösungen kontinuierlich weiterzuentwickeln.“
Und an findigen Ideen aus der Arbeitspraxis von DB-E&C-Mitarbeitenden fehlt es nicht. Eine Auswahl der präsentierten Lösungen, samt Kurzbeschreibung:
360-Grad-Multisensorplattform: Sie ermöglicht, von einer Lokomotive aus ein detailliertes oberirdisches und unterirdisches Abbild der Örtlichkeit des Gleisbetts zu erstellen, ohne umfangreiche Einschränkungen für den Bahnbetrieb.
Railscooter: Der gleisgebundene E-Roller, bis zu 15 Stundenkilometer schnell, erlaubt es unter anderem, auf gesperrten Strecken rasch von Prüfpunkt zu Prüfpunkt zu gelangen.
Video2BIM: Die Lösung ermöglicht die schnelle Erfassung des Ist-Bestandes durch Filmaufnahmen mit handelsüblichen Kameras wie der GoPro.
Auch die infraView, eine Tochter der DB E&C, präsentiert sich, zeigt eine Internet-of-Things-Plattform zur digitalen Zustandsüberwachung und vorausschauenden Instandhaltung. Das eng mit der DB E&C zusammenarbeitende Münchner Unternehmen ProVi, Anbieter von Konstruktionssoftware, zeigt, wie sich mithilfe des Programms jetzt auch Signalanlagen und Oberleitungen planen lassen.
Bei fast allen beim DigiTag präsentierten Lösungen spielt Software eine Schlüsselrolle – wenn es sich nicht sogar um reine Softwarelösungen handelt. So etwa auch beim AppBaukasten, mit dem sich digitale Checklisten, Formulare und Protokolle per Drag&Drop-Prinzip verwalten lassen. So ließen sich Daten auch unterwegs im Feld erfassen, erläutert Winkler. „Auch das eine Lösung, von der viele profitieren können und die sich im Arbeitsalltag bereits bewiesen hat.“ (Georg Kern)
Der Text ist zuerst in der aktuellen Ausgabe von bahn manager (Heft 4/26) erschienen.